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Das amerikanische Modell: Lehrer als Dungeon Master

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Der Klassenraum wird zum Dungeon, die Schüler zu Helden und der Klassenlehrer zum allmächtigen Spielleiter. In Amerika gibt es bereits einige Schulen, an denen Dungeons & Dragons in Schulen angeboten wird. Manchmal als AG, um neben dem allgemein Unterricht Sozialverhalten durch Rollenspiele zu stärken. Zum anderen jedoch, und das ist fast noch interessanter für uns, wird D&D als Anleitung zur Gestaltung des Unterrichts genutzt.

Aber hilft Dungeons & Dragons Schülern tatsächlich beim interdisziplinären Lernen an amerikanischen Schulen?
Eine Gruppe Neuntklässler einer texanischen Schule, die in einem landesweiten standardisierten Test alle anderen Distrikte deutlich übertraf, hat eine überraschende Gemeinsamkeit: Sie sind Mitglieder des Dungeons-&-Dragons-Clubs ihrer Schule.

D&D als Arbeitsgemeinschaft

War dieses Ergebnis nur ein Zufall oder erzeugt das Spielen von Fantasy-Rollenspielen tatsächlich bessere Testergebnisse? Die offensichtliche Erklärung für viele ist, dass hauptsächlich kluge Kinder derartige Angebote nutzen, sie grundlegend offener und interessierter sind. Viele der rollenspielenden Kindern hingegen hatten jedoch schon oft Probleme an ihrer Schule.

Für Kade Wells, den Lehrer, der den Club an der Davis Ninth Grade School außerhalb von Houston leitet, ist die Antwort einfach: „Dungeons & Dragons zu spielen macht Schüler intelligenter.“
Die Erklärung ist kühn, aber wissenschaftliche Studien zeigen, dass der soziale Charakter des Fantasy-Rollenspiels eine Reihe sozial-emotionaler Fähigkeiten fördert. Sie können den Grundstein für ein verbessertes Lernen legen. Zusätzlich zu diesen entscheidenden Soft-Skills behaupten Lehrer und Professoren, dass es auch die Kernkompetenzen der Schüler fördert.

David Simkins, Professor am Rochester Institute of Technology, ist ein Experte für Spiele und Lernen. Seine Forschung zeigt, dass Rollenspiele (RPGs) das Lernen fördern und die intellektuelle Neugier und das Wachstum fördern können.

Dungeons & Dragons, and other narrative role playing games of its kind, provide many opportunities for learning,” said Simkins. “Participation in role play can open up interests in topics such as mathematics, science, history, culture, ethics, critical reading, and media production. When D&D is played in an inviting, encouraging, compassionate, and intellectually engaged environment, play opens the door to truly amazing possibilities for learning.”

„Dungeons & Dragons und andere Erzähl-Rollenspiele dieser Art bieten viele Gelegenheiten zum Lernen“, sagte Simkins. „Die Teilnahme am Rollenspiel kann Interesse an Themen wie Mathematik, Wissenschaft, Geschichte, Kultur, Ethik, kritischem Lesen und Medienproduktion ausbilden. Wenn D&D in einer einladenden, ermutigenden, mitfühlenden und intellektuell engagierten Umgebung gespielt wird, öffnet das Spiel die Tür zu wirklich erstaunlichen Lernmöglichkeiten.“

frei übersetzt von Jezz

D&D als Klassenprojekt

In einem bemerkenswerten Beispiel verwendete die Lehrerin Alexandra Carter eine von Studenten modifizierte Version von Dungeons & Dragons als ganzjähriges Programm für eine 3. Klasse. Sie kombinierte die Fächer Mathematik, Lesen, Schreiben und Sozialkunde. Viele Schüler in der Klasse hatten Schwierigkeiten mit akademischen und verhaltensbezogenen Herausforderungen, aber die Verwurzelung ihrer Kernthemen im Spiel brachte bemerkenswerte Ergebnisse.

In einem ihrer darauf beruhenden Artikel beschreibt Carter eine Fülle von Erfolgsgeschichten von Schülern, sowohl im Verhalten als auch im akademischen Bereich. Bei allen Schülern war laut Carter ein Fortschritt zu sehen, besonders bei denjenigen, die anfangs die meisten Schwierigkeiten hatten. Carter stellt fest, dass ein großer Teil des Projekterfolgs davon abhängt, die Schüler richtig zu ermutigen. Motiviert Fähigkeiten zu erlernen und zu üben, die für das Spiel aber auch das reale Leben gelten.

Schüler haben oft Schwierigkeiten, den Wert dessen zu schätzen, was sie in der Schule lernen. Oft erkennen sie den realen Zweck des Unterrichts nicht. In diesem Fall jedoch war das Lernen für die Schüler von Bedeutung, weil es in einer Fantasiewelt stattfand. Dabei war die zentrale Spieldynamik ein wesentliches Merkmal für die Entwicklung ihres Lernverhaltens und darüber hinaus. Besonders profitieren die Schüler im Bereich STEM, was dem deutschen MINT-Programm entspricht.

D&D und interdisziplinäres Lernen

Diese Fallstudien zeigen, wie ein umfassendes Lernprogramm aussehen könnte, wenn Fächer nicht isoliert voneinander unterricht würden. Wenn alles in ein einziges zusammenhängendes System integriert würde, in dem die Schüler zur Teilnahme motiviert sind. Es kombiniert projektbasiertes, spielbasiertes, sozial-emotionales und weitere Formen des Lernens, die darauf abzielen, ein Bildungssystem zu beleben.

Diejenigen, die in der Praxis mit D&D experimentierten, erlebten als Spieler selbst die Kraft, die die Formung und Umgestaltung von Geschichten mit sich bringt. Ob absichtlich oder unbeabsichtigt: Sie nutzen die in den Bereichen der Phantasie gelernte Kraft, um eine allzu wirkliche Erzählung zu hacken. Im Sprachgebrauch von Dungeons & Dragons ist ihre Rasse Mensch, ihre Klasse Pädagoge und ihre moralische Ausrichtung meist chaotisch gut.

D&D ist ein gutes Beispiel für ein einfallsreiches und zeitnahes Eingreifen, aber Schwert und Zauberei ist nicht jedermanns Sache. Die Vielfalt von Systemen ermöglicht die Implementierung fast jedes beliebigen Themas und die Schüler können die Spiele ausgestalten.

Letztendlich haben Lehrer unabhängig davon welchen Weg sie wählen immer die beispiellose Gelegenheit die Jugend zu modellieren. Sie bieten ihnen die Möglichkeit, Kreativität, Leidenschaft, Problemlösung und Mut zu üben, um ihre Persönlichkeit zu gestalten. Mit diesen leicht subversiven, aber wohlwollenden Interventionen an der Basis können sie die Geschichte von Schülern, Lehrern und Schulen umschreiben und möglicherweise auf diesem Weg die Welt retten.

Rollenspiel als Schulprojekt

Dieser Weg wird bereits vielfach genutzt, wie z.B. die Seite Teaching with DnD zeigt, die bereits jetzt umfassendes englischsprachiges Material für Lehrer anbietet. In Deutschland ist dieses Prozedere noch nicht in den Klassenzimmern angekommen. Zwar gibt es durchaus Schulen, an denen AGs und vereinzelte Projekte angeboten werden, jedoch nicht in einer so umfassenden Form. Dennoch ist Rollenspiel in Schulen ein immer tiefgreifenderes Thema.

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