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Ein deutsches Modell: DSA in der Schule

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Lesezeit: 3 Minuten

Wie schon in einem anderen Artikel berichtet, wird Rollenspiel an Schulen immer beliebter. Da es nachgewiesen die sozialen, kulturellen und interdisziplinären Fähigkeiten von Schülern verbessert, nutzen Lehrer auch diesen Weg zum Erfolg. Oft ist es eine AG, die zur Unterhaltung dient, meist beginnend mit DSA. Manches Mal findet es aber auch den direkten Weg in den Unterricht, um Lerninhalte zu vermitteln.

DSA als Arbeitsgemeinschaft

In manchen deutschen Schulen wird Rollenspiel, oftmals das klassische Schwarze Auge, als AG neben dem Unterricht angeboten. Es geht darum, den Schülern auf neuen, spielerischen Wegen soziale und emotionale Fähigkeiten zu vermitteln, die sie in einer fiktiven Welt lernen, aber in der realen Welt nutzen können. Natürlich werben die Schulen nicht genau mit diesem Kontext, wie man z.B. auf der aktuellen AG-Seite des Robert-Bosch-Gymnasiums Langenau sehen kann. Aber schlussendlich zählt das Ergebnis und nicht der Weg dorthin.

Mittlerweile werben viele Schulen mit einer AG zum Thema Rollenspiel, wie auch das Johannes-Kepler-Gymnasium in Garbsen. Hier beginnt das Projekt bereits für Schüler der 6. Klasse, wobei es oftmals erst für höhere Stufen angeboten wird. Am Hans-Carossa-Gymnasium in Berlin wird das Schwarze Auge sogar als AG zur Hochbegabtenförderung angeboten, an einer Schule, die in ihrem Selbstporträt mit besonderer pädagogischer Prägung wirbt.

Sind deutsche Schulen also bislang noch nicht so weit, dass Rollenspiel in den Unterricht integriert wird? Gibt es noch gar nicht so viele rollenspielende Lehrer da draußen, die sich diesem Projekt annehmen wollen? Doch, es gibt sie und es gibt auch in deutscher Sprache eine Art Rollenspiel für die Klasse als Gemeinschaft: Classcraft. Es wirbt damit, dass die Welt sich verändert:

Damit Schüler optimal lernen, müssen sie zur Teilnahme motiviert sein. Es ist heute wichtiger denn je, die Schule für die Schüler ansprechend und bedeutungsvoll zu gestalten, um sie auf die Zukunft vorzubereiten.


DSA im Unterricht

Auf der Seite der Teilzeithelden wurde das Projekt Rollenspiel in der Schule bereits vorgestellt. Ein Deutschlehrer berichtet darüber wie Rollenspiel den Weg von einer AG hin zu einem Wahlpflichtfach geschafft hat. Es wird als RPG/Deutsch angeboten, benotet wie jedes andere Fach auch und weder von Schülern, Lehrern oder Eltern als merkwürdig angesehen.

Auch die Lernziele für dieses Fach sind klar definiert: Die Schüler sollen ihre kommunikativen Fähigkeiten und ihre sprachliche Kreativität mit Hilfe des Mediums Rollenspiel erproben und verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen gibt es verschiedene Anregungen: Man löst Probleme gemeinsam im Team, kommuniziert rollenkonform, entwickelt eigene Abenteuer oder setzt sich mit den Spielregeln auseinander. Dazu werden verschiedenen Systeme angeboten und besprochen.

Ein anderes Angebot kommt ebenfalls von einem Deutschlehrer. Er unterrichtet an einer badem-württembergischen Schule und ist im Netz bekannt unter dem Namen teacherRogueOne. Nachdem er im Schuljahr 2018/19 mit seiner Klasse an dem Projekt Classcraft teilgenommen hatte, kam er auf die Idee, Rollenspiel als Thema im Unterricht zu erweitern.

So nahm er das weithin bekannte Rollenspiel DSA und nutzte dieses, um den Klassiker Willhelm Tell zu analysieren: Tell trifft DSA. Die Schüler bekamen die Aufgabe, mittels eines Charakterblattes die Figuren aus Tell, besonders den Hauptcharakter zu beschreiben. Er sollte genau wie ein typischer Charakter mit Werten versehen sowie mit Stärken und Schwächen ausgestattet werden. Ein besonders schönes Zitat seiner Darstellung ist für mich:

Ein Schüler hat sogar von sich aus das Stück zu Ende gelesen, nur damit der das Charakterblatt vollständig ausfüllen konnte

Rollenspiel als Schulprojekt

Ganz offensichtlich ist, dass Rollenspiel auch an deutschen Schulen immer bekannter wird. Jedoch ist es noch immer ein Nischen-Angebot, ein Projekt das eher durch Arbeitsgemeinschaften als durch Unterrichtsergänzung genutzt wird. Dennoch ist der sozial-pädagogische Ansatz auch hier zu erkennen und vielleicht weitet es sich aus.

Was denkt ihr über Rollenspiel an Schulen? Ist es ein Angebot, das man nutzen sollte? Hättet ihr dieses Angebot angenommen oder kennt ihr vielleicht eine Schule mit einer solchen AG, die hier nicht genannt ist? Dann schreibt uns bitte und hinterlasst einen Kommentar.

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Markus
Gast
Markus

Wieso DSA? Da gibt’s dann ganze Generationen, denen man dann später mühsam nahebringen muss, das Rollenspiel auch anders sein kann, als der Mathe-Unterricht :/

Luke Finewalker
PnPnews.de

Vermutlich das verbreitetste – auch unter Pädagogen. Welches Rollenspiel würdest du denn vorschlagen?

Tulljamadjin
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Ich habe sehr viel gutes über den Einsatz von Fate oder Numenera bei Kindern gelesen. Gibt so einige Artikel zu Numenera im Kindergarten.

trackback

[…] wie Engors Dereblick und die Vier Helden kommen gefühlt aus dieser Ecke. Auch die Nutzung von Rollenspiel in der Schule deutet darauf hin, dass die „alten“ Rollenspieler im Beruf, hier im Lehrberuf, angekommen […]