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Rosenstrasse – Liebe im Dritten Reich

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Es gibt Crowdfunding-Kampagnen wie Sand am Meer und auch wenn sie alle auf ihre Art und Weise interessant sind, so gibt es immer welche, die besonders hervorstechen. Eine davon ist Rosenstrasse von Unruly Designs aus Kanada. Darin geht es um Liebende, die das Regime des Dritten Reiches unter den Nazis ertragen müssen.

Eine Zeit der Finsternis

Im Berlin des Jahres 1933 sind die Nationalsozialisten an die Macht gekommen und separieren, wer deutsch ist und wer nicht. Was schon erschütternd genug ist, wird nur noch schrecklicher, wenn die Ehen zwischen jüdischen und „arischen“ Deutschen von dieser Trennung betroffen werden. Die nächsten zehn Jahre, die das Spiel abdeckt, erforschen die Spieler wie das Reich mit seinen Rassengesetzen, Verboten und seiner Gewalt die Freiheit, Sicherheit und Würde dieser Familien zerstörte.

Auch wenn ihre Ehen sie anfangs schützen, können die jüdischen Männer nicht fliehen. Wenn sie schließlich zur Deportation festgenommen werden, haben die Frauen in ihrem Leben eine letzte Chance, um sie am Leben zu halten. Um das zu tun, müssen sie sich erheben und sich gegen das Dritte Reich wehren.

Ein Spiel, das ein dunkles Kapitel beleuchtet

In Rosenstraße begeben sich vier Spieler und ein „facilitator“ (Vermittler oder Moderator) nach Berlin der Jahre 1933 bis 1943 und erforschen die Ehen zwischen jüdischen und „arischen“ Deutschen, was schließlich in den namensgebenden Rosentraße-Protest von Ende Februar / Anfang März 1943 gipfelte.

Jeder Spieler übernimmt die Rolle von zwei Charakteren, von denen wenigstens eine Person jüdisch und eine Person eine Frau ist. Somit erleben die Spieler die Geschichte von Verfolgung und Widerstand aus verschiedenen Perspektiven.

Wichtig ist anzumerken, dass die Spieler kein Geschichtswissen benötigen, um Rosenstrasse zu spielen, dass Vorwissen den Spielspaß aber auch nicht reduziert. Unruly Designs hat nach eigenen Angaben das Spiel erfolgreich mit Hilfe von Historikern, Holocaust-Lehrern und auch Personen getestet, die fast nichts über die Geschichte wissen. Auch muss man kein erfahrener Rollenspieler sein, um das Spiel zu spielen, es kann auch ohne rollenspielerische Vorkenntnisse gespielt werden.

Man möchte hierbei statt historischer Expertise lieber menschliche Expertise zum Tragen bringen. Jeder Charakter hat einen Ehepartner oder ein Geschwisterteil. So sind Max und Annaliese junge, romantische, ökonomisch verletztliche Liebende. Ruth und Izak hingegen sind Geschwister, die die engen Familienbünde repräsentieren, die aber vom Reich sehr unterschiedlich behandelt werden. Diese Verbindungen stellen das Herz des Spiels dar. Wer sich je um ein Familienmitglied, einen Freund oder einen Partner gekümmert hat, hat alles Wissen, um das Spiel spielen zu können.

Spielregeln

Rosenstrasse ist als One-Shot mit etwa vier Stunden Spielzeit gedacht, bei dem ihr alles bekommt, um zu spielen. Während der Vermittler etwas Vorbereitung braucht, um das Spiel flüssiger zu gestalten, können die Spieler einfach loslegen.

Gespielt wird in stark strukturierten Szenarien. Dabei wird den Spielern eine Auswahl von acht vorgenerierten Charakteren gegeben, sowie ein Set von 80 Szenen, die die Charaktere erleben könen. Jede Szene fokussiert sich auf einen oder mehr spezifische Charaktere. Dabei gibt es eine Beschreibung der Situation, der die Charaktere entgegen treten. Dann erhalten die Spieler eine Aufforderung für ihre Charaktere, auf die sie reagieren müssen oder eine Frage, die beantwortet werden soll. Der Vermittler hilft dabei, die Antworten im Einklang mit der historischen Realität zu halten.

Die Szenen selbst sind vorgeneriert, sind aber so erschaffen, dass sie den Spielern genug emotionale Freiheit bei ihrer Antwort bieten. Werden die Charaktere ihre Würde im Angesicht von Demütigung behalten oder vor Scham kollabieren? Werden sie sich ihrer Liebe als Schutz vor Leid zuwenden oder ihren Partner ablehnen? Das sind die Entscheidungen, die die Spieler treffen werden. Genau diese Entscheidungen werden bestimmen, welche Szenen in einem bestimmten Lauf des Spiels vorkommen und bestimmen das Schicksal der männlichen Charaktere am Ende des Spiels.

Vermittler

Der Vermittler hilft dabei, das Spiel am Laufen zu halten. Das Buch zu Rosenstrasse enthält alle notwendigen Informationen, um zu spielen, sowie Instruktionen für die pre-workshops und die Zusammenfassung am Ende. Neben Ratschlägen, wie jede individuelle Szene gespielt wird, finden sich auch einfach zugängliche Hilfen, um es so verständlich wie möglich zu werden.

Charakterkarten

Die Charakterkarten bieten Hintergrundinformationen über jeden Charakter im Spiel, wie ihren Beruf, ihre Religion, ihre Freizeitbeschäftigungen und ob sie Kinder haben. Charakterkarten beschreiben zudem auch das Verhältnis zwischen den spielbaren Charakteren. So zeigt Max Edelmans Charakterkarte, wie sehr er seine Frau Annaliese liebt und ihre Karte zeigt, dass ihre Gefühle dieselben für ihn sind.

Eine Charakterkarte

Jeder Spieler erhält, wie oben erwähnt, zwei Charaktere. Einer ist männlich, einer ist weiblich. Geschwister und Ehepartner werden von verschiedenen Spielern gespielt, wodurch jeder Spieler zwei sehr unterschiedliche Beziehungen erforscht.

Szenario-Deck

Das Szenario-Deck enthält alle Szenen des Spiels. Jede Karte hat eine andere Szenerie mit einer Eingangsbeschreibung und einer Frage oder Aufforderung am Ende. Einige Karten haben besondere Instruktionen, wie etwa Update-Karten, die neue Informationen bieten oder eine Komplizenschaft-Karte, die die Spieler in die Rolle von Deutschen versetzen und ihre Komplizenschaft mit dem Regime beleuchten.

Eine Szenariokarte

Risiko-Matrix

Die Risiko-Matrix ist ein Werkzeug für den Vermittler, um die Verwundbarkeit der jüdischen Männer in dem Szenario zu verfolgen, abhängig von den Entscheidungen, die die Charaktere treffen. Er hält diese vor den Spielern versteckt, ähnlich wie die Bewohner des dritten Reiches nicht immer verstanden, warum sie so behandelt wurden. Die Matrix beeinflusst das Schicksal der männlichen Charaktere von Rosenstrasse und ob bestimmte Szenen erlebt werden.

Stern-Marken

1941 mussten alle verbliebenen Juden ab dem Alter von sechs Jahren einen gelben Stern tragen. Diese geschichtliche Entwicklung wird durch die Sternen-Marken repräsentiert und werden an die Charaktere verteilt, die vom Reich als jüdisch betrachtet werden. Das muss nicht immer mit den Charakteren übereinstimmen, die sich selbst als jüdisch sehen. In den Szenen die nach 1941 stattfinden, müssen die Charaktere ihre Marke zeigen, wenn sie eine Szene betreten.

Wichtig für Unterstützer in Deutschland: Ihr erhaltet keine gelben Sterne, da dies gesetzlich nicht erlaubt wäre und bekommt daher einen passenden Ersatz.

Postkarten

Am Ende haben einige Charaktere die Möglichkeiten, Postkarten an ihre Liebsten zu schicken. Dafür gibt es gedruckte Postkarten mit zeitgenössischen Fotografien, die auch im Spiel verwendet werden können.

Ein sensibles Thema

Abschließend lässt sich sagen, dass das Spiel mich selbst neugierig macht, ich aber nicht wüsste, wie ich mit diesem Spiel umgehen würde. Wichtig und richtig ist es, auch die schrecklichen Ereignisse der Weltgeschichte zu beleuchten und von diesen zu lernen. Rosenstrasse scheint würdevoll und tiefgehend in diese komplexe Materie einzutauchen, ohne die Geschehnisse in ein respektloses Spiel umzumünzen, das das reale Leid der Menschen dieser düsteren Zeit vergessen würde.

Aktuell steht die Crowdfunding-Kampagne bei 18.525€ von den ursprünglich angesetzten 17.858€ und ist somit vollständig finanziert. Ihr habt noch 9 Tage Zeit, euch den 385 Unterstützern anzuschließen. Es warten auch einige Stretch Goals, wenn gewisse Summen erreicht werden.

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Quelle Kickstarter

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odium
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odium

Interessant, aber wohl kein Spiel das Spaß macht…

Luke Finewalker
PnPnews.de

Möglicherweise soll es das auch nicht.

Raul Ehrwald
PnPnews.de

Ich glaube gerade der Reiz in eine bedrückende Atmosphäre einzutauchen und diese einmal ansatzweise zu erfahren, erzeugt am Ende eine andere Form von Spaß.

Oil
Gast
Oil

Ich glaube nicht, dass da eine irgendwie geartete Version von Spaß aufkommt. Habe ein Brettspiel zu Hause: Les Poilus. Da geht es nur darum im Koop jeden Kriegseinsatz als Soldaten zu überleben mit dem Ziel bis zum Kriegsende zu überleben oder eben nicht. Selbst in dem Spiel ist die Stimmung schon gedrückt wegen der Thematik obwohl die Mechanik recht kurzweilig ist.

Rosenstraße:

Werden die Charaktere ihre Würde im Angesicht von Demütigung behalten oder vor Scham kollabieren?

Das ist für mich gar nicht mehr unter Spiel zu fassen. Es ist vielleicht eher ein Experiment für die ‘Spieler’, eine drastische Methode in der Schule oder ein Lehrstück.