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Zombie World – ein erster Eindruck

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Seit der Gen Con Anfang August ist Zombie World offiziell im Handel erhältlich. Das kartenbasierte Rollenspiel von Magpie Games bringt klassische Zombie-Action an den Rollenspieltisch. Ich habe mir Zombie World ein bisschen angeschaut und möchte euch an meinem ersten Eindruck des Spiels teilhaben lassen.

Charaktere und Spielzüge in Zombie World

In Zombie World geht es um das Überleben vor dem Hintergrund einer Zombieapokalypse, wie man es aus gängigen Filmen, Serien und Videospielen kennt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von bunt zusammengewürfelten Überlebenden. Diese haben sich vor den Zombiehorden in einer Enklave verschanzt und kämpfen in der zerstörten Spielwelt um Ressourcen und ihr Überleben.

Zombie World basiert auf Ideen der Apocalypse Engine (Powered by the Apocalpyse, PbtA). Diese werden durch Kartenmechaniken statt Würfeln und andere Eigenheiten jedoch deutlich variiert.

So gibt es, wie bei PbtA üblich, eine Reihe von Spielzügen, die während des Spiels ausgelöst werden. In einem solchen Fall zieht der betreffende Spieler eine Reihe von Karten vom sogenannten Survivor Deck. Je nachdem, welches Attribut der Spielzug verwendet, gibt es Werte von 1–3. Außerdem sind aus verschiedenen Quellen Boni oder Abzüge möglich. Entsprechend viele Karten werden gezogen und die beste daraus gewertet. Unterschieden wird nach Erfolg und Fehlschlag. Erfolge sind weiter unterteilt in Triumph und Edge; letzteres entspricht dem Teilerfolg eines Ergebnisses von 7–9 in klassischeren PbtA-Spielen. Die Aktion bekommt also einen Haken. Außerdem gibt es die Opportunity-Karte, die als Triumph gewertet wird, falls der Charakter Stress auf sich nimmt, ansonsten jedoch als Fehlschlag zählt.

Survivors – die Spielercharaktere

Ein Spielercharakter wird auf einer abwischbaren Playmat notiert – ein erster Hinweis auf die zu erwartende hohe Sterblichkeit. Er besteht aus den vier Attributen Savagery, Soul, Steel und Survival, die angeben, wie viele Karten vom Survivor Deck gezogen werden.

Dazu kommen drei Identity Cards, die zufällig von unterschiedlichen Stapeln gezogen werden. Die Present-Karte gibt einen Hinweis auf die Persönlichkeit, die der Charakter nach außen trägt. Dazu kommen eine Past-Karte, die den Beruf des Charakters enthält und eine Trauma-Karte, die einen problematischen Aspekt seiner Persönlichkeit beisteuert. Diese beiden Karten sind zu Beginn geheim, nur der Spieler selbst weiß, was darauf steht. Erst wenn ihre Inhalte im Spiel zum Tragen kommen, ganz im Stile von PbtA versehen mit einem Auslöser, wird die entsprechende Karte umgedreht und bietet ab dann zusätzliche Spieloptionen.

Eine Charakter-Playmat mit den drei Identity Cards, dazu NSC aus dem Population Deck und Beziehungskarten aus dem Fate Deck.

Außerdem gibt es auf der Charakter-Playmat einen Stressbalken mit 5 Kästchen sowie Platz für die Beziehungen zu anderen Charakteren und NSC. Beziehungen zwischen je zwei Spielercharakteren werden anhand von zufällig gezogenen Fate-Karten bestimmt.

Die lebenden Toten

Zusätzlich zu den Grundspielzügen stehen spezielle Zombie-Spielzüge zur Verfügung. Diese kommen immer dann zum Einsatz, wenn einzelne Charaktere oder die ganze Gruppe in unmittelbaren Kontakt mit den Untoten kommen. Unter gewissen Umständen muss dabei vom Bite Deck gezogen werden. Dieses Deck stellt die konstante Bedrohung dar und wird erst neu gemischt, wenn die einzige Bite-Karte gezogen wurde. In diesem Fall ist der betreffende Charakter dem Tod geweiht, genauer gesagt dem Untod durch Zombiebiss. Andere Karten des Bite Decks verkomplizieren die Situation, indem Dinge kaputt gehen, weitere Zombies auftauchen oder ähnliches.

Die Enklave und ihre Bewohner

Besonderes Augenmerk liegt in Zombie World auf der Enklave. Dabei handelt es sich um den Stützpunkt der Charaktere, den Mittelpunkt des Spielgeschehens, zumindest anfänglich. Die Enklave wird zu Beginn des Spiels gemeinsam erschaffen, sogar noch vor der Charaktererstellung. Dafür stehen mehrere thematische Vorlagen zur Auswahl. Im Grundspiel sind dies das Krankenhaus und das Gefängnis. In Erweiterungen kommen noch eine Farm und ein Einkaufszentrum dazu und Kickstarter-exklusiv gab es noch einen Freizeitpark und einen Wagenzug. Typische Schauplätze aus Zombiegeschichten eben.

Diese Enklave wird mit Knappheiten, Nichtspielercharakteren (einzeln und als Gruppen) sowie Schauplätzen in ihrer Umgebung versehen. (Das Prinzip mit knappen Ressourcen erinnert ein wenig an The Quiet Year von Avery Alder.) Alle diese Informationen werden auf der abwischbaren Enklaven-Playmat festgehalten. Dazu kommen noch mehrere Vorteile, die diese spezielle Enklave bietet, und die weitere Spielzüge zur Verfügung stellen.

Wann immer auf die Schnelle zufällige NSC benötigt werden, kann man vom Population Deck ziehen. Auf einer Population-Karte ist ein Nichtspielercharakter in groben Zügen beschrieben, mit Name und Profession, nützlichen Fähigkeiten und mitgeführter Ausrüstung.

Quelle: Magpie Games – Spielmaterial einmal ausgebreitet.

Wann immer während des Spiels längere Zeiträume überbrückt werden, zieht man schließlich eine Fate-Karte. Diese enthalten zusätzlich zu den Charakterbeziehungen einen Effekt für die Entwicklung der Enklave über den Lauf der Zeit.

Zombie World als Spiel

Das Pen & Paper Rollenspiel wurde von Brendan Conway und Mark Diaz Truman von Magpie Games entwickelt und im Sommer 2018 über Kickstarter finanziert. Etwa zeitgleich mit dem Release zur Gen Con trafen auch die physischen Produkte bei den (europäischen) Unterstützern der Kickstarter-Kampagne ein.

Das Grundspiel besteht aus mehreren abwischbaren Playmats für die Charaktere und die Enklave, Referenzblättern für die grundlegenden Spielzüge, diversen Kartendecks (insgesamt 110 Karten) sowie einem Regelheft mit 36 Seiten. Der Box liegt außerdem ein Dry-Erase-Marker mit schickem Zombie-World-Logo bei. Dazu kommen noch die beiden Erweiterungen The Farm und The Mall mit zusätzlichen Karten und Kickstarter-exklusive Kartendecks.

Zombie World Box

Das Regelheft ist übersichtlich aufgebaut und schick gestaltet. Sämtliche Mechaniken sind verständlich erklärt, allerdings auch sehr kompakt in den 36 Seiten untergebracht. Beispiele sind spärlich gesät, was besonders im Vergleich zu anderen Spielen der Autoren auffällt. (Wer MASKS oder Urban Shadows kennt, kann bestätigen, wie wertvoll die dort zahlreichen Spielbeispiele die Regeln veranschaulichen.)

Auch das SL-Kapitel stellt auf sechs Seiten eine Reihe von Richtlinien zum Spielleiten dar. Diese treten an die Stelle von Agenda, Prinzipien und SL-Spielzügen in anderen PbtA-Spielen, sind jedoch wiederum kompakt gefasst. Die Richtlinien sind gut formuliert und hilfreich, allerdings fehlen hier Beispiele vollständig.
Ich möchte an dieser Stelle keine vollwertige Rezension abgeben, ohne das Spiel tatsächlich ausprobiert zu haben. Mein Eindruck ist allerdings, dass es sich in dieser knappen Effizienz eher an erfahrenere Rollenspieler richten könnte, als an Neulinge.

Kompakte Infos und schnelle Inspiration

Die Kartentexte und Spielzüge liefern Inspiration für das Spiel, ohne jedoch zu viel Regelballast mitzubringen. So werden Waffen und Ausrüstung beispielsweise gar nicht mit Regeln versehen, sondern lediglich abstrakt als Gear behandelt, die im Rahmen der Geschichte mehr oder weniger hochwertige Ausstattung darstellt.

Charaktere dürften schnell erstellt und mit der Spielwelt verknüpft sein. Das ist vermutlich notwendig, da es genrebedingt passieren kann und wird, dass Spielercharaktere sterben und neue nachrücken. Mit fortschreitender Zombie-Action wird das Ziehen der Bite-Karte eben immer wahrscheinlicher. Und natürlich können sich die Überlebenden auch gegenseitig an die Gurgel gehen.

Ästhetisch ist das Spiel in dreifarbigem Schwarz-Weiß-Rot sehr stimmungsvoll gehalten und Karten und Playmats sind hochwertig produziert. Sogar der Dry-Erase-Marker funktioniert einwandfrei. Zum Spielen würde ich vermutlich dennoch die Bögen in A4 ausdrucken, da die Playmats in A5 eventuell zu schwer zu lesen sein könnten.

Hoffentlich konnte ich euch einen ersten Eindruck von Zombie World vermitteln. Ich freue mich jedenfalls über dieses schicke Spiel und bin gespannt, es mal auszuprobieren.

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Thomas
Gast
Thomas

Voll Cool! Wie komm ich jetzt daran?

Oli
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Über den Link zum Hersteller im Artikel. Dort dann oben auf Online Shop – derzeit sind das noch Vorbestellungen! https://www.magpiegames.com/shop/

Thomas
Gast
Thomas

Hey, danke für die schnelle Antwort! Sogar für Roll 20… wär das nicht mal was abgefahrenes für eure Freitagsrunden?