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FeenConline 2020 – ein virtueller Convention-Bericht

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Talkrunde „DSA und sein Fandom“

Am Samstag ab 17 Uhr fand auf dem Stream von Orkenspalter TV eine Talkrunde mit ehemaligen DSA-Autoren statt. Im Gespräch mit Mháire Stritter waren Werner Fuchs, Thomas Römer, Hadmar Wieser und Tom Finn.

Was dem Titel nach eine vielversprechende Diskussion andeutete und mit vollen zwei Stunden Sendezeit vermutlich auch als solche konzipiert war, erwies sich leider als einer der Tiefpunkte der FeenConline. Die vier Gäste waren den größten Teil der Zeit damit beschäftigt, über sich selbst zu sprechen. Der allergrößte Teil ihrer Anekdötchen lag im 20. Jahrhundert (und wird ohnehin alle paar Jahre für dieses oder jenes Jubiläumsprodukt wieder herausgekramt).

Immer wieder kam das Gespräch auf lange vergessene Beteiligte – der Jörg, der Niels, die Ina, hin und wieder auch der Uli – und diese ominöse Zeit „vor dem Internet“. Kinder, wisst ihr eigentlich, was ein Fanzine ist? Tom Finn hielt ein paar davon in die Kamera, so machte man das eben als echter Fan in den 80ern. (Wenn man die aktuelle Entwicklung in der Rollenspielszene verfolgte, könnte man eventuell wissen, dass Fanzines eigentlich nie wirklich verschwunden waren und seit einigen Jahren wieder voll im Trend liegen.)

„Weißte noch, der Alrik, der hatte doch damals diese Scheune …“

Insgesamt kam eine staubige „Opa erzählt von früher“-Stimmung auf – „Wir hatten ja nichts, und selbst davon meistens nur die Hälfte!“ – und Moderatorin Mháire wirkte die meiste Zeit wie die angeheiratete Stiefnichte, die sich gerne ins Familiengespräch einbrächte, wenn ihr nur mal jemand zuhören würde. Hin und wieder versuchte sie verzweifelt, zu einem roten Faden zurückzufinden – wollten wir nicht über „DSA und sein Fandom“ reden?

Ach ja, die Fans! Immerhin kam das Gespräch ganz kurz auf Foren zu sprechen. Thomas Römer fand ja das Vinsalt-Forum toll. Kennt das noch jemand? Auch die Wiki Aventurica wurde ganz kurz gelobt, später fiel insbesondere Tom Finn jedoch wieder ein, wie unangenehm es doch ist, wenn man für Widersprüche in Publikationen kritisiert wird – diese lästigen Fans, lesen die etwa, was man so alles schreibt?!

„Wir haben das Worldbuilding zum Exzess betrieben“

Und das war ja beileibe nicht wenig, auch bereits vor der Jahrtausendwende und der Entstehung von DSA4. Dessen war man sich zwar bewusst – „Mit mehreren Regionalboxen war das Material dann eine träge Masse“ (Thomas Römer) und „Wir haben das Worldbuilding zum Exzess betrieben“ (Werner Fuchs) – doch letztendlich waren es ja die Fans, allen voran diese Briefspieler, die in ihren inoffiziellen Baronien „selbst das Klohäuschen in der Taverne“ beschrieben hatten.

Und das waren dann auch schon alle Bezüge auf „das Fandom“ in den zwei Stunden dieses Talks. Gegen 18:30 Uhr warf Mháire immerhin noch das Stichwort „toxisches Fandom“ in den Raum – ein Thema, über das es gerade beim Schwarzen Auge sicherlich eine Menge zu sagen gäbe. Leider wurde sie damit wieder vollkommen ignoriert. Stattdessen ließ sich Fuchs lieber von Römer erklären, wer eigentlich Blind Guardian ist, das stand ja immer auf den Shirts der Con-Besucher. Wieser hingegen berichtete ausgiebigst von Blut, Schweiß und Tränen, die er einst beim Schreiben von Rausch der Ewigkeit, des Finales der Gezeichneten-Kampagne, vergossen hatte. Gewissermaßen sein Magnum Opus der Rollenspielautorschaft, wofür er dann mit letzter Kraft Tom Finn dazuholen musste, denn er hatte es den Fans ja versprochen! Wenn das doch nur auf Englisch veröffentlicht würde, dann würden sicher so viel mehr internationale Menschen The Dark Eye spielen!

Kein Fandom ohne Fans

Leider steckte hinter dem verlockenden Titel der Talkrunde letztlich nur eine Egoshow für einstige DSA-Autoren. Bezüge zur aktuellen DSA-Fanszene waren nichtexistent, was natürlich nicht verwundert, wenn man weiß, dass die letzten der Gäste auch bereits seit knapp einem Jahrzehnt nichts mehr mit DSA am Hut haben. Immerhin war DSA damit zumindest nominell auf der FeenConline vertreten. Wir hätten allerdings einen Tipp, wen man das nächste Mal zum DSA-Fandom befragen könnte: die Fans!

Die Aufzeichnung des Talks findet sich mittlerweile auch auf YouTube.

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zeitiger

Anmerkungen:
Postapokalyptisches Köln hatten wir bei MJN schon mit dem ZC Unter dem Zacken, es ging um weitere deutsche Städte

Der Datenimport von Genesis nach Roll20 geht jetzt schon, ist also nicht neu.

Zuletzt bearbeitet 1 Jahr zuvor von zeitiger
Gumbald

Bezüglich des DSA-Talks: Ich habe den Stream nicht gesehen, somit kann ich mir da jetzt keine eigene Meinung zum Inhalt erlauben.
Aber grundsätzlich kann man von Leuten, die alle seit 10+ Jahren nichts mehr zu einer Rollenspielwelt beigetragen haben nicht viel mehr erwarten als alte Anekdötchen zu erzählen. Und wenn sich dann alte Kämpen zu einer solchen virtuellen Runde versammeln, dann wird es vermutlich recht schnell zu einer „Ego-Show“ und einer „Opa erzählt aus dem Krieg“ Nummer.
Da hilft es auch nicht, der Runde ein Thema abseits von „DSA in den Anfängen“ zu verpassen, denn was sollen die Leute denn über DSA und ihre Fans in der heutigen Zeit berichten, wenn sie seit über einem Jahrzehnt mit der Community nichts mehr am Hut haben?
Somit: Entweder bei einer solchen Rundenzusammenstellung das passende Thema wählen oder sich zu einem Thema die passenden Leute suchen.
Hier vor allem die Talk-Gäste zu kritisieren wird meines Erachtens der Ausgangs-Situation nicht gerecht.

Sarafin

Ich habe mir am Wochenende ein paar Panels angesehen und war begeistert davon, wie gut das alles funktioniert hat. Für so eine komplexe Veranstaltung gab es in meiner Wahrnehmung nur sehr wenige technische Probleme, von denen die meisten vernachlässigbar waren. Daumen hoch!

Hina

Also ich fand die „Egoshow“ dieser Nostalgierunde richtig sympathisch, freue mich Anekdoten ueber die Menschen hinter diesen Momenten zu erfahren, die jenen die damals dabei waren zu einer Generationenerfahrung wurden. Man muss es sich ja nicht ansehen.

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