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Phone-PDFs – Mumpitz oder geiler Scheiß?!

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Vor Kurzem haben wir euch gefragt, welchen Stellenwert Smartphones an eurem Spieltisch haben. Der Anlass ist der aufkommende Trend der sogenannten Phone-PDFs (siehe auch DriveThruRPG). Nun wollen wir natürlich gucken, was die Umfrage ergeben hat, und gleichzeitig einen genaueren Blick auf die PDFs werfen. Letzterer soll zumindest aus Nutzersicht einen ersten Eindruck verschaffen. Voraussichtlich werden wir das Konzept der Phone-PDFs mit deren Möglichkeiten und Grenzen in einem späteren Artikel noch im Detail betrachten.

Umfrage: Smartphones am Spieltisch

Für uns war zunächst interessant, ob die Entwicklung der für Smartphones optimierten PDF-Dokumente nicht vergebliche Liebesmüh ist. Daher haben wir grundsätzlich auch gefragt, ob ihr Handys am Spieltisch verwendet. Zudem interessierten wir uns dafür, wer bei euch in welchem Umfang Smartphones verwenden darf.

Der Sieger der Umfrage darf uns nicht täuschen. Auch wenn knapp 30 % der Teilnehmer ihre Handys vom Tisch verbannt haben, folgen doch mit zusammen 42 % die Optionen, bei denen alle das Smartphone verwenden dürfen. Etwas weniger als die Hälfte davon nutzen es sogar uneingeschränkt. Weitere 20 % der Teilnehmer weichen lediglich auf das Tablet, das Notebook oder ähnliches aus.

Die Wahlmöglichkeiten, bei denen nur eine deutlich eingeschränkte Nutzung zulässig ist, schneiden mit unter 10 % am schlechtesten ab. In den Kommentaren wurden allerdings noch ein paar Aussagen ergänzt, die in eine ähnliche Kerbe schlagen. Wenn wir den Kommentaren weiter folgen, gibt es durchaus noch Unterscheidungen zwischen unterschiedlichen Pen & Paper Rollenspielen. Zum Beispiel kann das Smartphone bei futuristischen Setting als Requisite dienen. In mancher Runde ist es zudem uneingeschränkt erlaubt und wird trotzdem nicht übermäßig genutzt.

Auch wenn es in den Kommentaren zur Umfrage nicht blutig wurde, zeigten die Aussagen, wie weit die Meinungen zum Teil auseinander gehen.

Beispiele für Phone-PDFs und was sie können

Da die optimierten PDFs noch recht neu sind, ist der Trend im Rollenspielbereich noch nicht allzu weit verbreitet. Immerhin die 2. Edition von Scion und MASKS könnten etwas bekannter sein. Darüber hinaus gibt es noch Castles & Crusades, ZWEIHÄNDER, Tricube Tales und Pugmire in der angepassten PDF-Fassung. Das Phone-PDF zum letztgenannten Rollenspiel ist zur Zeit sogar als Promoaktion kostenlos.

Um euch ein etwas genaueres Bild von den Umsetzungen zu geben, haben wir in Pugmire, in die Vorschauversion von Tricube Tales und in MASKS reingeschaut. Prinzipiell besteht die Optimierung aus einem sehr kleinen Seitenformat, das ideal für Smartphonebildschirme sein soll. Als weiteres Feature sind viele Stichworte zur leichteren Navigation im Text verlinkt. Soweit so grundsätzlich.

Navigation über das Inhaltsverzeichnis

Allen drei Dateien ist gemein, dass ihr Inhaltsverzeichnis mit den jeweiligen Kapiteln verlinkt ist. Sprich, per Klick springt ihr in jedes Kapitel. Anschließend macht sich der Unterschied zwischen den kommerziellen Produkten und der vollständigen, kostenlosen Vorschauversion von Tricube Tales bemerkbar. Letzteres weist keine weiteren Verlinkungen zur besseren Navigation auf.

Die Versionen von MASKS und Pugmire haben hingegen einige Verlinkungen, die sich durch die Texte ziehen. So kommt ihr per Verlinkung immer auf die erwähnten Kapitel. Pugmire geht beispielsweise noch einen Schritt weiter. Dort hat der Zombie den Trick Dunkelsicht. Möchtet ihr nun wissen, was Dunkelsicht bewirkt, tippt ihr auf das Wort und springt auf die Seite mit der entsprechenden Beschreibung. Beide Phone-PDFs bieten zudem zwei sehr nützliche Verlinkungen. Zum einen haben sie eine Zurück-Funktion, was ein Hin- und Herspringen zwischen mehreren Infos ermöglicht. Zum anderen ist das Inhaltsverzeichnis auf jeder Seite verlinkt.

So sieht der Ersteindruck aus

Das Grundprinzip, die Navigation auf diese Weise zu vereinfachen funktioniert, und wir empfanden diese Funktion als recht angenehm. Gänzlich um das Scrollen kommen wir aber trotzdem nicht herum, was bei dem Seitenformat durchaus anstrengend sein kann. Zudem ist die Umsetzung der Verlinkungen gemischt. Bei Pugmire beispielsweise funktionieren manche Verlinkungen zwar am Laptop, aber nicht am Smartphone. Bei MASKS wiederum müsste noch deutlich mehr als nur die Kapitel verlinkt sein, um eine echte Vereinfachung zu bieten.

Insgesamt wirkt das Format noch recht gewöhnungsbedürftig, wobei sich das sicher legen kann. Die Tatsache, dass Tabellen höchstens mit zwei bis drei Spalten umgesetzt werden können, und Übersichten, die sonst eine A4-Seite füllen, gar nicht, lässt sich jedoch nicht abstreiten.

Externe Verlinkungen, potenzielle Risiken

Bedenken haben wir, dass in den PDFs auch externe Links enthalten sind. Mit Adobe Acrobat wurde uns zwar angezeigt, wohin uns das PDF beim Antippen des Wortes leiten möchte, aber ob das jeder PDF-Viewer so macht, ist zu bezweifeln. Im schlimmsten Fall besteht hier ein Sicherheitsrisiko.

Schlussendlich bieten die Funktionen der Phone-PDFs im ersten Eindruck ein paar tolle Möglichkeiten, besser durch das Dokument zu navigieren. Wie gut das jedoch funktioniert, hängt ganz stark von der Umsetzung ab. Zudem ist das Format gewöhnungsbedürftig, erleichtert nicht zwingend das Durchscrollen und weist seine Grenzen auf. Ob das den Aufwand für die Firmen und das Geld der Nutzer wirklich wert ist, bleibt zu bezweifeln. Da dieses Konzept aber noch in den Kinderschuhen steckt, muss die Zeit zeigen, wie es sich entwickelt und ob es sich durchsetzen kann.

Wie steht ihr zu diesem Trend? Würdet ihr gut optimierte Phone-PDFs beim Spielen nutzen? Unter welchen Umständen? Welche Features wünscht ihr euch, auch gegenüber herkömmlichen PDF- oder Printversionen? Wieviel Geld würdet ihr für ein Phone-PDF bezahlen? Erzählt uns gerne in den Kommentaren davon!

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Sal

Hallo Raul,

das Thema finde ich sehr spannend. Allerdings scheint mir der Beitrag einen (für mich) sehr wichtigen Punkt von den genannten Umfrageergebnissen bis zur abschließenden Frage zu übersehen: PDFs muss man ja nicht nur am Spieltisch nutzen!

Während ich am Spieltisch Print bevorzuge, besorge ich mir mittlerweile zunächst PDFs und schiebe Print-Käufe nur noch in Ausnahmefällen oder wenn ich ein System tatsächlich regelmäßig spiele nach. Um die PDFs mobil zu lesen, habe ich nur das Smartphone.

Es gibt da in meiner Erfahrung riesige Unterschiede, ob ein PDF einspaltig, fast DIN A4 ist oder zweispaltig und DIN A5 oder gar auf Smartphone angepasst. Hier sei zum Beispiel auch Vagabonds of Dyfed als positives Beispiel genannt. Selbst ohne Verlinkungen ist das für mich eine riesige Erleichterung.

Vielleicht kann man sich mit diesem Aspekt ja noch einmal nachträglich oder als Ergänzung auseinandersetzen?

Beste Grüße
Sal

Sal

Hi Raul,

die Vorschau zeigt das reguläre PDF, das ein normales PDF in einem eher quadratischen Format zeigt.

Sigil Stone liefert bei DrivethruRPG allerdings gleich eine Single-Column-Version mit, die nur eine Spalte pro Seite mit Artwork, Seitennumerrierung usw. zeigt. (Diese ist nicht in der Vorschau zu sehen.) Durch das aufgeräumte Layout und ausreichend große Schrift lässt sich das sehr gut auf dem Smartphone lesen und man muss nur noch in einer Dimension (hoch und runter) scrollen.

Dadurch, dass ich sehr viele PDFs auf dem Smartphone (mit dem Basis Reader, also ohne viele Zusatzfunktionen) lese, merkt man deutlich den Unterschied zu “normalen” PDFs. Bei normalen PDFs gibt es eben viele Faktoren, die die Lesbarkeit beeinflussen. So lassen sich beispielsweise A5-nahe Formate mit zwei Spalten meistens ganz gut lesen, aber selbst bei denen kann die Schrift zu klein sein – aber sobald mal ein Text über die gesamte Breite geht, wird es oft wieder kritisch, weil man dann auch von links nach rechts scrollen muss.

Natürlich sind diese PDFs bereits auf Tablets und vor allen Dingen Laptop und Desktop dann wieder unpraktischer als auf dem Smartphone. Gerade deshalb ist es meiner Meinung nach ein positives Beispiel, dass die klassische und die Smartphone-optimierte Version in einem Paket kommen – ohne Doppelkauf. Das würde ich mir definitiv häufiger wünschen.

Am Ende ist das natürlich eine Frage der Nutzung: Auf dem Smartphone lese ich Regelwerke und Abenteuer beim ersten Mal. Da sind die Anforderung natürlich andere, als wenn man eine Runde vorbereitet oder was nachschlagen will. Dazu greife ich dann auch entweder auf das Print-Produkt oder die normale PDF auf größeren Geräten zurück.

Mein Kommentar soll natürlich auch nicht Deinen Beitrag und Deine Gedanken negieren, sondern ergänzen. : )

Beste Grüße
Sal

Björn Arnold

Nennt mich altmodisch, aber Smartphones haben meiner Meinung nach am Spieltisch nichts verloren. Dabei geht es nicht mal um die hier beschriebenen Apps an sich, sondern einfach darum, dass es heute schon schwer genug ist, den anderen Menschen die Dinger überhaupt mal von der Nase zu bekommen, da will ich wenigstens in meinem Refugium meine Ruhe davor haben.
Dabei hab ich nicht prinzipiell etwas gegen den Einsatz von Technik am Spieltisch, sofern es auf das Spiel bezogen ist, und benutze als Spielleiter mein Tablett selbst für den schnellen Zugriff auf Bücher oder Regelseiten, um nicht Tonnen an Büchern mitschleppen zu müssen. Da wir aber (wie gesagt: wir sind altmodisch 🙂 ), das Pen & Paper tatsächlich noch mit Papier und Stift betreiben, können die Spieler die für sie relevanten Materialien auch in ausgedruckter Form mit sich führen, und für den Regelteil ist bei uns eh der Spielleiter zuständig. Was den Einsatz von Smartphones schlicht und ergreifend unnötig macht.

Glumbosch

Ich verstehe warum es dazu gekommen ist. ein großteil der Welt erlebt das Internet hauptsächlich über das Handy. Das ist für uns in Deutschland vielleicht noch etwas komisch und vor allem für die nerds die teilweise ihre eigene Software schreiben.
Ein PDF Reader ist auf jeden modernen Telefon vorhanden, deshalb auch die Idee speziell formatierte PDF für Handys anzubieten. Aber eigentlich ist PDF genau dafür gedacht es ist überall gleich aussieht. Das bedeutet, dass es sich eben nicht daran anpassen kann ob man ein besonderen lang oder besonders breiten Bildschirm hat. Die Lösung ist eigentlich schon das vorhandene ePub-Format was im Hintergrund html ist. Dungeons and dragons geht mit DnD beyond einen ähnlichen Weg: keine PDF’s sondern dynamische HTML Seiten.

D.Athair

Ausprobiert hab ich die Phone-PDFs noch nicht. Wahrscheinlich werde ich das aber noch tun.

Denn: Ich habe festgestellt, dass ich am Spieltisch tatsächlich gern in PDFs nachschlage (war jedenfalls bei Mythras so) –
sei es als SL oder Spieler*. Dabei liegen PDFs auf der SD-Karte und/oder in ner Cloud.

Und: Ich lese tatsächlich relativ häufig auf dem Phone in RPG-PDFs – zuletzt: Vampire: the Masquerade V5;
Liminal und Old School Essentials. Schließlich muss ich das Smartphone eh auf Reisen mitnehmen. Ein zusätzliches fettes RSP-Buch, in das ich dann vielleicht gar nicht mal zum Reinschauen komme, pack ich nicht auf Verdacht ein.
Was die Spielrunde angeht: PDF-Zugriff ermöglicht nur die wichtigsten Bücher in Print mitzunehmen. Außerdem besteht potentiell
für alle in der Runde die Möglichkeit nachzuschlagen. Das spart doch einiges an Geschleppe und Zeit beim Regel-Nachschlagen.

Weiterhin hab ich selbst kein Tablet (zu wenig Verwendungsbedarf) und keinen E-Book-Reader (weil Bilddarstellung noch nicht gut genug bzw. zu teuer ist). Tatsächlich würd ich mir wünschen, dass RSP-Kram auf E-Book-Readern gut funktioniert. Dann wär das für mich eine Option.

Zurück zum Spieltisch: … dahingehend hat sich tatsächlich mein Handy/Smartphone-Verhalten verändert:
Es muss nicht vom Spieltisch verbannt werden. Wenn Anrufe oder Messanger-Kram (Whatsapp & Co.) Spieler*innen spürbar ablenken,
dann werden halt die entsprechenden Funktionen auf den entsprechenden Geräten aus oder lautlos gestellt. Kurz und schmerzlos.
Und wenn jemand am Handy festgeklebt ist, dann muss es halt ausgeschaltet und weggelegt werden.
Allzu streng braucht man das nun auch nicht auslegen. Ansonsten müssten ja auch die Würfel weggenommen werden, wenn jemand Würfeltürme während des Spiels baut und dürfte sie nur zum Würfeln zurückerhalten. Man muss halt schauen, was der konkreten Spielrunde nutzt und was nicht.

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