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[Update vom 29.07.] Prometheus Games nimmt Stellung – mal wieder?

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Lesezeit: 4 Minuten

Update 29.07.2019:

In einem neuen Post im Tanelorn-Forum hat Christian Loewenthal tiefere Einblicke in die Hintergründe um die Verlängerung und den letztendlichen Verlust der Savage-Worlds-Lizenz gegeben.

Im August 2017 hätte die Lizenz erneut verlängert werden müssen/sollen und bereits im März 2017 wurde angekündigt, dass man das – entgegen vorheriger Aussagen – nicht mehr tun könnte. Zunächst wurde der Ärger um die Verzögerungen der Crowdfunding-Projekte genannt, später wurde dann gesagt, dass es andere Gründe hätte, die man uns aber nicht mitteilen könnte. Schlussendlich brauchte man auch keinen „Grund“, denn alleine aus dem Vertrag heraus hätten wir keine Verlängerung desselben erzwingen können und hätten auch gar nicht mehr die Mittel gehabt, uns dagegen zu wehren.

Christian Loewenthal, Geschäftsführer von Prometheus Games

Ursprünglicher Artikel:

In unserer kleinen Szene eilt gefühlt keinem anderen Verlag ein schlechterer Ruf nach als Prometheus Games. Bist du Backer eines der zahlreichen Crowdfundings? Dann bist du vermutlich selbst leidgeprüft und kennst die Gründe. Hast du nie etwas mit dem Verlag zu tun gehabt, weißt du wahrscheinlich trotzdem über die Unzuverlässigkeit Bescheid. Wie ich sagte, die Szene ist klein. Und schlechte Nachrichten machen erfahrungsgemäß schneller die Runde. Selber habe ich bisher nur das Crowdfunding zu Symbaroum mitgemacht. In der Tat stellte es sich als sehr langwierige Sache heraus. Beim Spielerhandbuch musste zudem ein Kompromiss geschlossen werden und ob die Poster bereits geliefert wurden, müsste ich nochmal nachgucken. Den offiziellen Stand der Crowdfundings findest du übrigens auf der Website von Prometheus Games.

Es geht nicht nur um Prometheus Games

Rückmeldungen, Statusupdates und Stellungnahmen dazu von Verlagsseite kannst du im Internet finden. Aber häufig haben sich die Aussagen als Hinhalten oder schlicht nicht haltbar erwiesen. Nun gibt es mal wieder eine Stellungnahme. Sie kommt von Geschäftsführer Christian Loewenthal persönlich. Sagte ich „mal wieder“? Ich würde die Worte gerne streichen. Diesmal ist die Aussage nämlich sehr persönlich und gibt weit mehr preis, als es viele an Christians Stelle tun würden. Beispielhaft ziehe ich folgendes Zitat heraus:

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist das die Motivation fast aller hauptberuflichen Akteure, die ich kenne. Sie lieben die Produkte und sie lieben die Community. Das galt tatsächlich auch für Marcel und mich. Nach dem Desaster rund um das Dresden-Files-Crowdfunding fing das irgendwann an, zu zerbröseln. Irgendwann war einfach die Kraft weg, sich gegen Angriffe, berechtigt oder nicht, zur Wehr zu setzen. Ich kann nichtmal genau sagen, wann das anfing. Irgendwann hatte ich nicht einmal mehr die Energie, den Kontakt zu Leuten zu halten, die uns helfen wollten. Ich habe in Abgründe geguckt, von denen ich nicht glauben wollte, dass die in unserer Community schlummern.

Ich habe Fehler gemacht, die ich mir heute nicht erklären kann. Eine Zeit lang kam alles zusammen: Der Druck und die eigenen Existenzangst wurden immer größer, der Vertrieb kam zum Erliegen, was die Finanzen hart in den Boden getreten hat, und ich hatte gar nicht genug Finger, um alle Löcher im Boot zu stopfen. Ich musste Rechnungen schieben, von Leuten bei denen ich wusste, dass sie auf das Geld angewiesen waren, was das Gefühl des Selbstekels nur vergrößert hat. Die Leute reden immer über einen. Das war 2007 so und auch in all den Jahren danach. Irgendwann hat das aber eine Qualität erreicht, die ich nicht erwartet hatte. Selbst Leute, die mich seit Jahren kennen, fingen an sich zu fragen, ob ich nicht doch ein Betrüger war. Die wenigsten haben das so gesagt, aber man konnte es sehen oder spüren. 

Christian Loewenthal, Geschäftsführer von Prometheus Games

Weiterhin nimmt er auch Stellung zu Feder & Schwert und schreibt wie demütigend es sei, sich für sein Privatleben rechtfertigen zu müssen. Christian erzählt zudem von seinen Fehlern und ich lese deutlich heraus, dass sich der Verlag mit den vielen Crowdfunding-Projekten schlicht übernommen hat. Ob das nun an Selbstüberschätzung, zuviel Optimismus oder unzureichender Vorbereitung lag, sei einmal dahingestellt. Ein aktueller Stand zu den Crowdfundings ist jedoch nicht enthalten.

Aufrichtig oder nicht?

Viel wichtiger sind mir an dieser Stelle die teils sehr persönlichen Einblicke. Zum einen muss ein Mensch erstmal soweit in die Ecke gedrängt werden, dass er diese Gefühle offenbart. Zum anderen habe ich selber solche Situationen im engsten Verwandtenkreis miterlebt. Die Erfahrung daraus ist auch der Grund dafür, dass ich den Post als absolut aufrichtig empfinde und nicht als eiskaltes Kalkül, um Mitleid zu erregen.

Wenn du noch nicht in einer solchen Situation warst oder es im engen Umkreis miterlebt hast, kannst du es vermutlich nur bedingt nachvollziehen. Schnell gerät die betroffene Person in eine Spirale von Existenz- und Versagensängsten, die sich immer schneller dreht. Findet der- bzw. diejenige nicht rechtzeitig den Absprung, steht am Ende nicht selten eine depressive Phase oder eine waschechte Depression. Innerhalb der Spirale ist es so wie Christian schreibt. Du funktionierst nur noch, versuchst nur noch, irgendwie irgendwas zu machen und findest immer weniger Kraft, dich mit unangenehmen Dingen zu beschäftigen. Hätte ich einen Rat geben müssen, hätte ich gesagt, „Schmeiß hin!“ Denn die Gesundheit und auch die Familie gehen immer vor. Umso erstaunlicher finde ich es, dass die Leute von Prometheus Games immer noch am Ball sind. Letztlich scheinen sie zu versuchen, den Berg abzuarbeiten und ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Nach dem reinigenden Gewitter und dem angenehmen Feedback danach hoffe ich für Christian, für die anderen Beteiligten und auch für die Fans und Backer der Crowdfundings auf einen guten Neustart und ein in Zukunft besseres Verhältnis zueinander. Ein erster guter Schritt von Prometheus Games wäre ein transparentes und ehrliches Update zu allen ausstehenden Produkten.

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SirDenderan
Gast
SirDenderan

JA – NEIN – ……vielleicht ?

Ich glaube, dass es sau schwer für die Leute von Prometheus war, ist und werden wird..
Ich kann mir vorstellen, dass es ein Schlag ins Gesicht war, was mit Uhrwerk und Feder&Schwert geschah im vergleich zu Prometheus.

Aber Patrick Götz war ehrlich und hat sofort eine Meldung an die Community geschrieben.
Ich bin davon überzeugt, dass das fandom bei Prometheus ähnlich reagiert hätte, wenn Christian Loewenthal genau so agiert hätte.

Das fandom ist klein, jeder kennt jeden, irgendwie.
Die Projekte von Prometheus waren vielversprechend und wurden auch mit viel Eifer unterstüzt.

Aber sich mehrfach anlügen lassen gefällt niemanden !

Tony
PnPnews.de

Für mich persönlich stellt es sich auch schon fast so dar, als habe er sich auch oft genug selbst belogen…. das ist aber wie gesagt nur mein persönlicher Eindruck.

Trotzdem ist es gut, dass man anhand der Reaktionen auf sein Statement sieht, dass im Grunde genommen sehr viele noch sehr wohlgesonnen sind…. trotz der natürlich auch sehr präsenten Stimmen des Unmutes.

Oliver
Gast
Oliver

Der Mann ist nunmal der Geschäftsführer und hat offensichtlich von Wirtschaft, Crowdfunding und kundenorientiertem Handeln keine Ahnung. Übrigens ein weit verbreitetes Problem in der Spieleszene.
Glaubwürdigkeit schaut nun mal anders aus und wenn man als Kunde ständig das Gefühl bekommt beschissen zu werden, hat man irgendwann genug. Feder&Schwert und auch Uhrwerk haben/hatten ein ähnliches Problem jedoch muss ich zugeben dass ich eher mit der Insolvenz von PG gerechnet habe. Über kurz oder lang ist es aber IMHO nur eine Frage der Zeit.
Leider…

der_Kai
Gast
der_Kai

schön wäre auch mal ein Schriftverkehr mit Leuten die noch immer kein Kompendium bekommen haben.
sämtliche weitere Anfragen ignorieren und das Versprechen es zu überprüfen schon fast n Monat ohne Antwort auf sich warten lässt.