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Rezension Cthulhu: Schreckensherrschaft – Horror unter der Guillotine

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Für Geschichtslehrer sind Quellenbücher, Kampagnen und Abenteuer, die einen historischen Bezug haben, immer sehr interessant. Bekommt man dann ein Buch in die Finger, welches das Thema des aktuellen Unterrichts behandelt, freut man sich umso mehr. Die in Schreckensherrschaft behandelte Französische Revolution mit ihren drei Phasen, den unterschiedlichen Akteuren und dem Ende mit Napoleon ist kein einfaches Thema. Als Beispiel einer Revolution kann sie aber sehr gut dienen, und vor allen Dingen ist sie ein Aspekt der Geburtsstunde der modernen Demokratie.

Die Spieler der Kampagne Horror im Orient-Express können sich auf alle Fälle glücklich schätzen, eine weitere Episode erleben zu können. Aus der Feder von Mark Morrison, Penelope Love, James Coquillat und Darren Watson und übersetzt von Robert Maier, liegt nun Schreckensherrschaft – Horror unter der Guillotine für Call of Cthulhu vor. Erschienen ist das 128-seitige Hardcoverbuch mit Lesebändchen bereits im Dezember 2019 bei Pegasus Spiele.

Die Französische Revolution und der Orient-Express?

Ja, diese Frage muss man stellen, denn zeitlich nah aneinander liegen diese beiden Themen nicht. Der Orient-Express fuhr zum ersten Mal 1883, die Kampagne spielt 1923 und die Revolution nahm bereits 1789 ihren Lauf. Die Antwort gibt es für den Spielleiter direkt nach der Begrüßung durch den Hauptautor. In den Hintergründen für den Spielleiter wird erklärt, wie dieses zweigeteilte Szenario in die Kampagne eingebettet werden kann. Machen wir es kurz. Ein Feind der Ermittler im Jahr 1923 hat etwas mit den Ereignissen der Französischen Revolution tun. Die Spieler schlüpfen in die Rollen von Soldaten der Armee des Königs, um diese Verbindungen in Erfahrung zu bringen. Die Informationen dienen schließlich als Erklärung für bestimmte Ereignisse in der Kampagne.

Bevor es aber zu den Szenarien geht, erhält der Leser eine kurze Auffrischung zur Situation in Frankreich am Vorabend der Revolution. Zur besseren Darstellbarkeit der Ermittler, gibt es zudem Informationen zum Leben als Soldat. Zusätzlich zu den Informationen auf den vorgefertigten Bögen, kann man die unterschiedlichen Soldaten so sehr gut darstellen.

Zwei Phasen der Französischen Revolution in Schreckensherrschaft – 1789 und 1794

Die Szenarien könnten die beiden ersten Phasen der Französischen Revolution nicht besser in Szene setzen.

Teil 1: 1789

Das erste Szenario wirft die Ermittler mitten hinein in die drohende Revolution. Paris, Versailles, Unruhestifter und Dekadenz können hautnah erlebt werden. Da ist es kein Wunder, dass der eine oder andere Ermittler bald entscheiden muss, auf welcher Seite er stehen will. Bevor es aber zur Revolution kommt, gilt es ein größeres Übel zur Strecke zu bringen. Wenn doch alles so einfach wäre. Das erste Szenario ist perfekt umgesetzt. Die Spieler und die Ermittler werden in die Epoche hineingezogen und sie erkennen bald aus erste Hand, wieso die Revolution nötig wurde. Nichts, was zur Revolution führte, bleibt außen vor. Besser kann man ein historisches Szenario nicht beginnen.

Interludium

Für die Zeit zwischen 1789 und 1794 gibt es auf zehn Seiten eine Auffrischung der Ereignisse in Paris und darüber hinaus. Die Empfehlung, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 zu verteilen, unterstütze ich absolut. Die zehn Seiten sind dabei wirklich erhellend und aussagekräftig. Mehr Informationen gingen natürlich, aber dazu fehlt der Platz. Es gibt außerdem viele Bücher zum Thema zur Vertiefung. Anstatt hier die Aufhänger für Abenteuer zu platzieren, finden sich neun davon im Anhang.

Teil 2: 1794

Zum großen Schrecken, der Zeit, in der das zweite Szenario aus Schreckensherrschaft spielt, gilt es vorab zu klären, welche Aufgaben die Ermittler mittlerweile haben. Sind sie noch Soldaten oder haben sie andere Berufe angenommen? Ist das geklärt, kann man ins Jahr 1794 starten. Deutlich düsterer beginnt dieses Szenario, was auch an den regelmäßigen Hinrichtungen liegt. Nicht jedes Monster ist direkt ein Feind und nicht jeder alte Bekannte (noch) ein Freund. Mit etwas Glück können die Ermittler aber eine große Gefahr bannen und noch Schlimmeres verhindern. Der zweite Teil ist deutlich komplexer und tödlicher. Schnell gilt man als Verräter. Und das kann den Kopf kosten. Und wenn der wahre Feind dann noch das Ohr eines mächtigen Mannes besitzt, ist alles möglich. Komplexer ja, aber immer noch eine gelungene Umsetzung der Idee. Spielern der Hauptkampagne werden die Augen geöffnet und der Orient-Express ruft am Ende sehr laut.

Der Anhang von Schreckensherrschaft

Die Szenarien sind nach Erfolg und Misserfolg beendet. Im Buch findet man aber noch den Anhang. Alle Protagonisten und Antagonisten der jeweiligen Jahre, eine detaillierte Chronologie und Berufe für die Ermittler, falls sie dem Soldatenleben den Rücken gekehrt haben. Auch einige Szenarioideen finden sich hier. Neun Ideen für die Zeit zwischen 1789 und 1794 mit unterschiedlichsten Inhalten sind hier aufgeführt, alle mehr als unterhaltsam und durchaus schnell umsetzbar. Den gelungenen Abschluss bilden die Handouts und die vorgefertigten Investigatoren.

Haptik und Optik

Ich bin ein großer Fan der Bücher von Pegasus Spiele. Der Einband mit dem erhobenen Schriftdruck und den Rändern sind dabei immer ein erstes Highlight. Im Buch selbst überzeugen das Lesebändchen, die gute Papierwahl inklusive Vollfarbdruck und das gelungene Layout. Besonders zu erwähnen sind diesmal die Bilder. Hier wurde eine gute Auswahl getroffen und Stimmung wird wie von selbst aufkommen. Es ist gut, dass es so viele Bilder über und aus der damaligen Zeit gibt. Als Lehrer kann man sich da an einigen Bildern bedienen. Gerade die Karte von Paris kam direkt zum Einsatz, als es um den Sturm auf die Bastille ging.

Fazit zu Schreckensherrschaft

Schreckensherrschaft – Horror unter der Guillotine kann komplett überzeugen. Die beiden Teile des Abenteuers sind durchdacht und mehr als unterhaltsam, ohne dabei die Geschichte zu sehr zu verfälschen. Der Horror ist deutlich, wird dabei aber durch den menschlichen Horror noch überschattet. Optisch und Haptisch gibt es wie immer nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Wer Cthulhu während der Französischen Revolution spielen will oder eben wirklich dieses zweiteilige Szenario als Zwischenspiel zum Orient-Express, der macht mit 17,95 € als Investition nichts falsch.

Transparenz-Hinweis im Sinne der redaktionellen Richtlinien: Das Quellenbuch Schreckensherrschaft – Horror unter der Guillotine wurde uns von Pegasus Press als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Cthulhu - Schreckensherrschaft - Horror unter der Guillotine

17,95 €
8.6

Idee

9.0/10

Umsetzung der Idee

8.5/10

Gestaltung und Struktur

8.5/10

Spielleiteraufwand und Vollständigkeit

8.5/10

Pros

  • Historische Genauigkeit
  • Bilder
  • Idee und Umsetzung

Cons

  • Positionierung der Szenario-Ideen für das Interludium
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Sven
Mitglied

Die Preisgestaltung von Pegasus ist ja wieder mal heftig entgegenkommend. Günstiger geht es eigentlich nicht mehr. Mich würde noch interessieren, ob sich ein Kauf auch lohnen könnte wenn man die Szenarien eher für andere Welten und Systeme ummodeln wollte (z.B. KULT: DL, aber auch weitere).

Luke Finewalker
PnPnews.de

Du meinst, wieviel des Inhalts auf geschichtliche Hintergründe allgemein entfällt und wieviel auf Cthulhu als System und/oder mythosspezifische Aspekte?

Sven
Mitglied

Genau, vor allem wieweit der Mythos darin als fester Bestandteil verankert ist und wie gut man diesen ersetzen, ausklammern kann ohne das gesamte Szenariokonzept umzukrempeln.

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