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Escape Games für Rollenspieler – Engors Empfehlung

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Dies ist ein Gastbeitrag von Engor Dereblick, der seit 2013 auf seinem Blog Engors Dereblick Rezensionen und mehr zu Produkten für das Rollenspiel Das Schwarze Auge (DSA) verfasst.

Corona hat aktuell sicher Auswirkungen auf uns alle, vor allem auf unser Freizeitverhalten. Wir sind auf unsere Wohnungen und Häuser reduziert, auch das Treffen mit Freunden ist enorm eingeschränkt, was ja auch unsere Rollenspielgruppen betrifft. Abhilfe schaffen können da sicherlich Online-Varianten, indem man sich eben am Monitor zusammenfindet.

Allerdings ist auch das immer mit einigem Aufwand verbunden und auch nicht für jeden von uns geeignet. Eine sinnvolle Alternative können hier Escape Games darstellen, die nach dem Boom der Live-Räume in den letzten beiden Jahren auch zunehmend in kleinen Brettspielvarianten erschienen sind. Ein klarer Vorteil ist hier, dass die Spiele auch allein oder in kleinen Gruppen gespielt werden können. Größere Gruppen sind tatsächlich oft eher problematisch, da Gruppen von 4–6 Personen das Material oft nur schwer gemeinsam betrachten können. Im Folgenden stellen wir eine kleine Auswahl an Spielen vor, die auch für Rollenspieler interessant sein könnten, sei es aufgrund ihres Themas oder ihrer Struktur.

Escape Adventures

Die Reihe von Topp kommt im Heftformat daher. Dabei ist die Hintergrundgeschichte, die einführend erzählt wird, immer recht ähnlich: Man wird von einer fremden Macht in eine andere Zeit oder eine andere Welt versetzt, in der der normale Ablauf der Geschichte manipuliert wurde. Nun ist es an den Spielern, diese Eingriffe zu korrigieren und alles zu einem guten Ende zu bringen. Thematisch setzen sich einige der Hefte auch mit Fantasy-Geschichten auseinander, z. B. die XXL-Variante Von Fabelwesen und epischen Schlachten oder Von Helden und Göttersagen, das die Spieler in die griechische Sagenwelt versetzt.

Rollenspieler sind häufig mit Spielbüchern bzw. Soloabenteuern vertraut und genau nach diesem Prinzip funktionieren auch diese Escape-Hefte. Man erhält eine Aufgabe, die auf einen neuen Abschnitt verweist, allerdings muss man jeweils Rätsel lösen, um Fortschritt zu generieren. Mithilfe einer Codematrix (für deren Bearbeitung man immer eine dreistellige Zahlenfolge aus dem Rätseln ermitteln muss) gelangt man an den nächsten Abschnittverweis. Alles, was man zum Spielen braucht, ist bei dem jeweiligen Heft enthalten. Die Spiele dauern 60–120 Minuten (letzteres in der XXL-Variante), zudem gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Da man das Heft als Spielgrundlage hat, bieten sich 1–2 Spieler an. Zu dritt oder viert zusammen hineinzuschauen gestaltet sich zumindest etwas schwieriger.    

Adventure Games

Die relativ neue Reihe von Kosmos setzt den Schwerpunkt auf eine Abenteuergeschichte, bei der die Spieler auf eine Reihe von Spielfiguren zurückgreifen können. Diese verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten, um bestimmte Rätsel zu lösen. Das Spiel verwendet eine Kartenauslage, bei der das Kartendeck unterteilt ist in Spielfiguren, Gegenstände und zu erforschende Areale. Die Areale werden nacheinander erforscht, d. h. wenn man das Ende eines Areals erreicht hat, wird man aufgefordert, das folgende Areal aufzudecken, das man dann betreten kann. Als Begleitung greift man wahlweise auf ein Heft mit Vorlesetexten zurück, die die Inhalte der einzelnen Karten erläutern, oder auf eine App, die einem das Vorlesen abnehmen kann.

Für Fans klassischer Rollenspiele dürfte dabei vor allem Das Verlies interessant sein. Man erwacht als Gefangener in einem mittelalterlich anmutenden Gefängnis und muss sich zunächst aus dem Kerker freispielen. Anschließend gilt es, in Erfahrung zu bringen, wie man die finstere Festung, in der man sich befindet, endgültig verlassen kann. Dabei ergeben sich auch viele Fantasy-Elemente, z. B. in Form von Zaubertränken und Kreaturen.

Eher futuristisch-dystopisch angehaucht ist Die Monochrome-AG. Hier dringt man in das Gebäude eines Großkonzerns ein und stößt dort auf menschenverachtende Experimente, die es zu unterbinden gilt. Das Spiel eignet sich für 1–4 Spieler und ist in drei Akte unterteilt, sodass sich eine Spielzeit von 3 × 60–90 Minuten ergeben kann.  

Detective Stories

idventure hat eine Reihe mit kleinen Detektivgeschichten im Angebot. Hierbei erhält man einen Karton mit Material. Zugrunde liegt ein Kriminalfall, der in einem kurzen Einführungstext vorgestellt wird. Aufgabe der Spieler ist es anschließend Täter, Motiv und Tatumstände zu ermitteln. Dabei greift man zum einen auf das Material (Briefe, Aktenauszüge, Fotos etc.) zurück. Zum anderen ist das Spiel aber auch interaktiv auf Online-Recherche angelegt, sodass man im Material Hinweise auf Internet-Seiten (z. B. Social-Media-Accounts) erhält, die zusätzliche Erkenntnisse liefern. Anders als bei anderen Spielen wird das Material nicht nacheinander freigespielt, sondern man hat direkt alles zur Verfügung und kann selber die Reihenfolge bestimmen, in der man sich damit auseinandersetzt. Somit kann man hier mit mehreren Spielern auch gut das Material aufteilen. Hier ist das Gefühl sehr ausgeprägt, in die Rolle des Ermittlers zu schlüpfen, wenn man sein Vorgehen frei gestalten kann.

Das jüngste Spiel Gattardo hat dabei den Mord an dem Boss eines Drogenkartells zum Thema, der bei seiner Überführung als Gefangener mit einem Flugzeug während des Flugs ermordet wurde. Die Spieler sollen nun als Ermittler herausfinden, wer unter den anderen Passagieren eine Verbindung zum Opfer hatte und möglicherweise für das Verbrechen verantwortlich ist. Die Lösungseingabe erfolgt am Ende über eine Internetseite, die auch alle Ermittlungsergebnisse zusammenfasst. Auch hier ist alles im Spiel enthalten, was man benötigt. Zusätzlich ist eben nur ein Internetanschluss notwendig. Die Spieldauer beträgt 60–90 Minuten.     

Exit

Die Reihe von Kosmos hat in den letzten Jahren eine große Popularität erreicht und schon viele Erweiterungen hervorgebracht. Hier hat man als Material ein Begleitheft, das die einzelnen Rätsel beinhaltet. Eine Doppelseite entspricht oft einem Raum oder einem begrenzten Untersuchungsareal. Dabei benötigt man zusätzlich Spielkarten, die den Spielern die Schlüsselinformationen geben, um die einzelnen Rätsel zu lösen. Spielfortschritt wird dadurch erreicht, dass man durch das Abschließen eines Rätsels neue Spielkarten auf die Hand nehmen und eine neue Doppelseite im Begleitheft aufschlagen kann. Ob man ein Rätsel korrekt gelöst hat, überprüft man mit einer Dekodierscheibe, die über drei unterschiedliche Drehelemente verfügt. Man muss Symbole in einer bestimmten Reihenfolge kombinieren, um auf eine Lösungskarte verwiesen zu werden. Wenn man bei den (gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden recht komplexen) Rätseln Hilfe benötigt, gibt es zusätzlich ein Deck mit abgestuften Hilfe- oder Lösungskarten, die den Spielern aus Sackgassen heraushelfen können.

Die Auswahl an einzelnen Spielen ist hier sehr groß. Gemeinsam ist im Regelfall die Ausgangsgeschichte, bei der man in einem Gebäude oder in einem anderweitig begrenzten Areal eingeschlossen ist und sich den Weg zum Ausgang freispielen muss. Für Einsteiger empfiehlt sich Die verlassene Hütte, weil hier mit einer bodenständigen Geschichte alle Grundelemente vorgestellt werden. Klassische Abenteuer-Themen werden in vielen Erweiterungen wie Die Grabkammer des Pharaos oder Die verbotene Burg bedient. Eine Besonderheit der Reihe ist, dass hier ständig neue kreative Rätselelemente hinzugefügt werden und sich die einzelnen Varianten sehr abwechslungsreich spielen lassen. Hier können sich 1–4 Spieler zwischen 60–120 Minuten beschäftigen. Ein Nachteil dieser Reihe besteht in dem gewöhnungsbedürftigen Designelement, dass man das Material zum Teil zerstören muss.

Escape Room – Das Spiel

Anders als die anderen Escape-Spiele setzt die Variante von Noris eine Dekodiermaschine voraus. Dieser kleine Plastikkasten zeigt zum einen den 60-Minuten-Countdown als Spielzeit an. Zum anderen sind dort mehrere Elemente abgebildet, die man zum Lösen einiger Rätsel benötigt, z. B. Dekodiertabellen, Maßstäbe etc. Vor allem aber gibt es 16 Schlüssel in unterschiedlichen Formen und mit verschiedenen Beschriftungselementen. Zur Lösung jedes Rätsels müssen vier davon ermittelt werden, die man dann in der richtigen Reihenfolge in die entsprechenden Halterungen der Maschine einstecken muss.

Zudem gibt es Hilfekarten, die man verwenden darf. Diese soll man zu unterschiedlichen Spielzeitpunkten nehmen, was die Maschine mit einem akustischen Signal anzeigt. Alternativ gibt es aber eine App zum Spiel, mit der man auf die Maschine verzichten kann. Die konkreten Spielelemente erhält man in drei Umschlägen, die die einzelnen Akte des Spiels umfassen. Jeder Umschlag enthält einen Vorlesetext zur Einleitung bzw. zur Darstellung einer neuen Spielsituation und Rätselelemente und neue Rätselteile, z. B. in Form von Karten, Bastelelementen, Notizen etc.

Auch hier gibt es schon eine ganze Menge von Erweiterungen. Eine Dekodiermaschine enthält dabei unter anderem die relativ neue Erweiterung Jumanji, bei der man – genau wie in den gleichnamigen Filmen – quasi in das Spiel hineingezogen wird und nun einen Weg heraus finden muss. Dabei beinhaltet es als Sammelbox gleich 3 Großakte, die in jeweils drei Unterakte unterteilt sind. Hier ist die Spielzeit durch den Dekodier-Countdown auf 60 Minuten klar festgelegt (man kann aber auch nach Ablauf der Zeit einfach weiterspielen). In diesem Fall sind 2–4 Spieler angebracht, Alleinspieler sind mit dem Zeitlimit eher im Nachteil.    

Escape Games – ein einmaliger Spaß?

Dies ist natürlich nur eine kleine Auswahl an Escape-Spielen, momentan ist eine Zahl von gut 70+ Spielen bei unterschiedlichen Anbietern verfügbar. Die Spiele können natürlich nicht die gleiche Wirkung an Immersion erreichen wie ein richtiger Escape-Room. Allerdings sind sie für eine kleine Fluchtepisode in den eigenen vier Wänden sehr gut geeignet und fordern die grauen Zellen der Spieler oft sehr. Man muss sich allerdings der Tatsache bewusst sein, dass sie anders als herkömmliche Gesellschaftsspiele nur einmal spielbar sind. Danach kennt man die Lösungen schon und hat keine weitere Verwendung dafür. Immerhin kann man die Spiele aber – so man das Material pfleglich behandelt hat – natürlich an Freunde und Bekannte weiterreichen.

Wenn man allerdings davon ausgeht, dass 1–4 Personen damit für etwa 10–25 € meist zwischen 90–120 Minuten Spaß haben können, ist der Preis mit einem Kinobesuch in etwa vergleichbar. Wer gute Erfahrungen mit anderen als den genannten Spielen gemacht hat, kann gerne in den Kommentaren Empfehlungen aussprechen. Alle Spiele sind sicherlich auch über die lokalen Spieleläden erhältlich, die sich aktuell ja oft an die Situation angepasst haben, einen Bestell- oder Lieferdienst eingerichtet haben und sich über Unterstützung sicher sehr freuen.

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