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Lex Arcana – ein mystischer Spielbericht

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Vor einiger Zeit haben wir über Lex Arcana berichtet. Das Spiel in einem mystisch-magischen Rom, das niemals fiel, soll bei Uhrwerk eine deutsche Übersetzung bekommen. Euer Interesse war groß, sodass eine Spielrunde auf unseren Discord-Server unausweichlich war. Was genau steckt also hinter den komischen Würfelpools und dem anziehenden Setting?

Mystische Spurensuche im antiken Rom

Wie bereits berichtet, spielt Lex Arcana im antiken Rom. Das Reich musste aber nie die Krisen der Spätantike durchleben und die Grenzen haben sich seit Hadrian kaum bewegt. Schon seit Augustus sammeln die Römer magisches Wissen, um sich mystischen Gefahren zu erwehren. Daraus entstand die Cohors Auxiliaria Arcana: Eine Art Elitetruppe, die merkwürdigen Phänomenen nachforscht, magischen Artefakten und Wissen nachjagt und gefährliche Bedrohungen und Monster bekämpft. Die Spieler, auch Custodes genannt, verkörpern dabei jeweils eine der sechs unterschiedlichen Klassen, wie Gelehrter, Kämpfer oder Augur. Die Abenteuer laufen meist investigativ ab und gipfeln in einem spannenden Finalkampf. Die Custodes bereisen dabei alle Provinzen, um Grenzen zu sichern, aber auch die Bevölkerung zu beschützen.

Würfelpools und Vogelschau – die mechanische Seite von Lex Arcana

Mechanisch ist Lex Arcana erst einmal etwas sonderbar. Prinzipiell gibt es zwei Gruppen an Attributen: Virtutes, wie Vigor, Sensibilitas oder Ratio, sowie Peritiae, wie De Bello, De Natura oder De Magia. Proben auf diese Attribute laufen aber immer gleich ab: Zuerst stellt man einen Würfelpool aus maximal drei Würfeln zusammen. Die Augenzahl der Würfel darf dabei den Wert des Custodes nicht überschreiten. Zusätzlich zu den gewöhnlichen Würfelarten stehen auch ein W3 und W5 zur Verfügung. Wer ein Wert von 15 in De Bello hat, kann also mit 3W5, 1W10+1W5 oder 1W12+1W3 würfeln. Das Ergebnis muss einen Zielwert übertreffen, meistens 6. Wer noch besser ist und den Zielwert weit übertrifft, kann Erfolgsgrade sammeln und so beispielsweise mehr Informationen sammeln oder mehr Schaden anrichten.

Sollten alle Würfel ihre höchste Augenzahl zeigen, darf der Spieler den gesamten Pool nochmal werfen und auf das Ergebnis addieren. Diese Fähigkeit, sowie die Divination des Auguren und weitere Fähigkeiten, die Indigitamenta, empfangen die Custodes von den Göttern. Lex Arcana bietet hier einige interessante übernatürliche Sonderfertigkeiten, die tatsächlich auch stimmig ins Bild des antiken Roms passen. Im Zentrum steht die Divinations-Rituale, wie zum Beispiel die Vogelschau. Damit können die Auguren, aber auch andere Spieler, in die Zukunft oder Vergangenheit sehen oder Omen und Träume interpretieren. Das kann während der Spurensuche natürlich sehr nützlich sein. Kämpfe werden nicht gemeinsam bestritten, sondern in kleinen Duell-Verbänden. Dabei laufen die Schadens-Multiplikatoren sehr schnell und gefährlich ab. Jeder Custos, auch Gelehrte und Diplomaten, hat dafür aber Kampftalente.

Spielbericht: Lex Arcana in Aktion

Damit ihr sehen könnt, wie Abenteuer in dem System aussehen, könnt ihr hier einen kurzen Spielbericht durchlesen. Die Spielrunde von Lex Arcana selbst war gut gemischt: Einige Spieler hatten so gut wie keine Vorkenntnisse über die römische Antike. Dagegen gab es mit mir selbst und einem weiteren Spieler auch einen Archäologen beziehungsweise einen Alt-Philologen. Nach kurzen Erklärungen ging es dann auch schon los. Gespielt wurde das Abenteuer Das Auge des Zyklopen.

Das Auge des Zyklopen

Die Custodes wurden im Auftrag eines Senators nach Sizilien geschickt, um am Hang des Ätna verschwundenen und blind wiedergekehrten Kindern nachzuforschen. Während der Spurensuche haben sie Kinder befragt und sich mit korrupten Stadträten auseinandergesetzt. Immer dabei waren Raben, die den Helden das Leben schwer gemacht haben. Schon früh konnten sie durch Divination als Unheilsboten identifiziert werden. Schnell stellte man fest, dass ein Kult in der Stadt Fuß gefasst hat, Kinder entführt und Typhon, den Vater der Monster, unter Sizilien befreien möchte. Schließlich konnten die Spieler Cormagus, der sich als Sklave des Auftraggebers ausgab, als Anführer des Kults entarnen.

Leider waren die Custodes etwas zu spät. Denn Cormagus floh mit dem letzten Kind auf die Zyklopeninseln, in die Höhle des Polyphem. Dorthin ging es auch für die Helden. Sie fanden aber nichts außer dem riesigen Skelett Polyphems, der von Odysseus geblendet wurde, und sein versteinertes Auge. Weise haben sie sich entschieden, das Auge nicht anzufassen, ließen aber auch den Speer des Odysseus in der Höhle zurück, bevor es eilig zum Ätna ging. Dort in einer Höhle kam es zum Showdown. Die Custodes mussten das Befreiungs-Ritual für Typhon unterbrechen und gleichzeitig gegen Cormagus und seine Kultisten kämpfen. Der eigentliche Kampf fiel aber aus, denn der Assassine der Gruppe konnte Cormagus überraschen und ihn mit einem einzelnen Schuss töten. Das Ritual war damit aufgehalten und der Kult zerschlagen.

Das Fazit: Viel Potenzial und viele Baustellen

Lex Arcana scheint auf den ersten Blick ziemlich schwer zu sein. Tatsächlich sind die meisten Mechaniken aber sehr schnell zu lernen und der variable Würfelpool erlaubt einiges an Strategie. Auch die Kampfregeln erscheinen zuerst sehr kompliziert, aber eigentlich basiert alles in Lex Arcana auf ganz ähnlichen Abläufen. Die lateinischen Begriffe, die manchmal auch nicht wirklich passen wollen, führen bei Spielern ohne Vorkenntnisse aber schnell zu Unverständnis. So war Spielern nicht immer klar, welches Attribut, zum Beispiel Ingenium, was genau beinhaltet. Auch das Setting ist im Regelwerk nur sehr oberflächlich beschrieben. Sehr viel muss von Spielern ergänzt werden. Komplette Einsteiger werden hier leider abgehängt.

Dafür bringt Lex Arcana frischen Wind mit einzigartigen Mechaniken und sehr viel Freiheiten für die Spieler. Die Charaktererstellung scheint zwar auch kompliziert, wird aber genau erklärt und bietet unglaublich viele Kombinationsmöglichkeiten. Gleichzeitig ist das System nicht zu schwer: Wenn man alles erstmal verstanden hat, lassen sich die Regeln kurz auf zwei Seiten zusammenfassen. Außerdem ist das Setting sehr attraktiv gestaltet. Auch wenn an vielen Stellen eher schlechter recherchiert wurde und christliche und kolonialistische Einflüsse erkennbar sind. Ein alleinstehender Settingband würde sich aber auf jeden Fall lohnen und könnte sehr viele Fehler ausbügeln.

Lust auf mehr Lex Arcana?

Im Endeffekt müsst ihr natürlich selbst entscheiden, ob Lex Arcana für euch geeignet ist. Ich persönlich mag das Spiel allerdings trotz vielen Baustellen sehr. Besonders das Würfelsystem fasziniert mich. Wer selbst auf den Geschmack gekommen ist, kann sich das englische Regelwerk auf DriveThruRPG für 24,99 $ kaufen. Für die deutsche Übersetzung muss man sich noch etwas gedulden. Vielleicht folgen aber auch noch weitere Runden Lex Arcana auf unseren Discord-Server.

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