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New Gamemaster Month – ein Erfahrungsbericht

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Lesezeit: 6 Minuten

Anfang Januar hatten wir euch über den am 8. Januar gestarteten New Gamemaster Month informiert. Das Ziel dieses Online-Events war oder ist es, Rollenspielneulingen oder -veteranen die Grundpinzipien des Spielleitens näher zu bringen. Da ich nach längerer Spielleiterpause erst seit September wieder aktiv spielleite, habe ich mich direkt über das Event gefreut. Ich möchte meine Erfahrungen mit der Aktion gerne mit euch teilen. Die offiziellen Beiträge endeten dazu mit dem 9. Beitrag am 31. Januar, die Diskussionen sind jedoch noch nicht abgeflaut.

Der Anfang

Der New Gamemaster Month begann mit einer Ankündigung am 6. Dezember 2018. Direkt angefixt musste ich erst einmal schwer grübeln, für welches der 4 angebotenen Systeme ich mich entscheiden sollte. Die Wahl zwischen Runequest, Unknown Armies, Numenéra oder Trail of Cthulhu fiel nicht leicht. Da ich Numenéra und Trail of Cthulhu als Regelwerke bereits zu Hause hatte, hielt ich mir diese jedoch als Favoriten offen und ließ den 8. Januar auf mich zukommen. Der Facebook-Gruppe trat ich zwar bei, doch tat sich dort anfangs noch wenig.

Als die Pforten dann geöffnet wurden, war alles klar: Jeden Dienstag und Donnerstag würde ein neuer Beitrag durch ein Thema zu einem Aspekt des Spielleitens führen und den Lesern einige Hausaufgaben aufgeben. Da ich noch nicht wusste, welches System ich in Angriff nehmen wollte, las ich mir alle vier Einleitungen durch.

Ich habe mich letztendlich für Trail of Cthulhu von Pelgrane Press entschieden, die sehr subjektiven und vielleicht auch befangenen Gründe waren dafür folgende:

  • Zusammen mit Numenéra war es eines der beiden Spiele, die ich schon einmal in einer längeren Kampagne (jeweils ungefähr ein Jahr) gespielt hatte.
  • Der Verlag war mir zuvor bereits durch sehr freundliche und faire Kommunikation bekannt.
  • Numenéra, wusste ich, werde ich sowieso im Mai bei einer Veranstaltung leiten. Außerdem hatte ich die Regeln für Trail of Cthulhu schon wieder vergessen. Gute Argumente, das Spiel wieder rauszuholen – viel Spaß hatte ich vor Jahren ja schonmal damit gehabt.
  • Das i-Tüpfelchen war jedoch, dass Trail of Cthulhu das Abenteuer Midnight Subrosa kostenloses für das Event beigesteuert hat.

Fairerweise sei erwähnt, dass Runequest ebenfalls mit den Schnellstarterregeln ein kostenloses Abenteuer mitliefert. Der Unterschied ist, dass Midnight Subrosa eigentlich ein Bestandteil des Abenteuerbandes Out of the Woods ist und normalerweise Geld kostet. Für das Event hätte ich mir generell sowieso etwas mehr Großzügigkeit von den Verlagen erhofft, aber das kann man natürlich nicht voraussetzen.

Die erste Aufgabe war, sich mit dem Setting vertraut zu machen. Da ich dieses als Mitglied der H.P. Lovecraft Historical Society bereits gut kenne, war für mich im ersten Beitrag nicht so viel zu tun. Etwas in das Abenteuer geschmökert habe ich natürlich trotzdem.

Der Herr der Regeln

Durch alle sieben Beiträge, in denen konkrete Inhalte zum Spielleiten abgehandelt werden, schrittweise durchzugehen würde wahrscheinlich den Rahmen des Artikels sprengen. Daher gebe ich euch nur eine Kurzübersicht, bevor ich meine eigenen Aktivitäten beisteuere. Ich werde nicht auf die Hausaufgaben der anderen Systeme eingehen, sondern nur das Beispiel Trail of Cthulhu fortführen. Beim New Gamemaster Month ging es letztendlich darum, ein Abenteuer vorzubereiten und auch zu leiten. Daher wurde der Fokus auch stark auf eine einzelne Spielsitzung und nicht auf Kampagnen gelegt – auch wenn diese hin und wieder angesprochen wurden.

In den ersten vier Beiträgen ging es erst einmal um das organisatorische und regeltechnische Vorbereiten der Spielsitzung:

  • Die initiale Planung einer Spielsitzung. Welche Spieler kann ich mobilisieren? Wann soll das Abenteuer stattfinden? Wen soll ich einladen? Wo sollten wir spielen? Um diese Fragen ging es am Anfang. Auch das Prinzip, dass Spielsitzungsvorbereitungen eine gewisse Form von Vorderlader sind, wurde angesprochen. Dazu gab es ein paar Vorschläge, was man im Regelbuch erstmal lesen sollte.
  • Muss man alle Regeln und das Setting in- und auswendig kennen, um ein guter Spielleiter zu sein? Das wurde als nächstes thematisiert. Natürlich ist die Antwort, dass man ein für die Spiellsitzung fundiertes Wissen mitbringen sollte. Um das zu bestärken, war hier die Aufgabe die Regeln zu lesen und die Monster nachzuschlagen, die man im Abenteuer brauchen wird.
  • Was ist ein Abenteuer und was macht ein gutes Abenteuer aus? Der dritte Beitrag gibt einen Überblick dazu. Das Thema ist natürlich recht komplex. Zu Trail of Cthulhu wurde dieses komplexe Thema auf die typische Struktur seiner Abenteuer hinuntergebrochen. Natürlich war diesmal das Lesen der Spielleiterregeln Pflicht. Jedoch wurde auch ein Augenmerk auf das Flowchart im anzueignenden Abenteuer gelegt.
  • Das Thema Begegnungen (engl. encounters) war als nächstes an der Reihe. Begegnungen können für verschiedene Systeme natürlich unterschiedlich aussehen. Da bei Trail of Cthulhu im Regelteil bereits viel zu den Detektivarbeiten gesagt wurde, wurden hier nur noch die Kampfregeln und die Regeln für geistige Stabilität und Wahnsinn thematisiert.

Das Beleben der Welt

Nun ging es in den drei weiteren Beiträgen darum, was man außerhalb von Mitspielern und Regeln für eine gelungene Spielsitzung benötigt:

  • Nun hat man sich regeltechnisch eingelesen, doch ein Rollenspiel lebt natürlich auch von genau diesem: dem Spielen einer Rolle. Was man dazu braucht, um die Spielwelt möglichst lebendig darzustellen wurde nun beschrieben. Dazu werden Handouts, Karten, historische Details und vieles mehr angerissen. Bei Trail of Cthulhu war nun die Aufgabe, das ganze Abenteuer nochmal durchzugehen und sich im Kopf ein Bild von der Stadt, ihren Bewohnern, den Antagonisten und allem anderen zu machen.
  • Welches Spielmaterial wird benötigt? Dass man Würfel, Charakterbläter, Handouts, Stift und Papier benötigt – das sollte den meisten klar sein. Da es im New Gamemaster Month aber um Neulinge geht, wurde dem auch ein Post gewidmet. Für meine Spielsitzung war es meine Aufgabe, die Handouts und Charaktere auszudrucken. Die Regelübersicht mit Beispielen sowie einen Artikel zum Spielleiten von GUMSHOE stand ebenso auf dem Programm.
  • Im letzten Beitrag ging es um das, was man für eine Spielsitzung zwingendermaßen braucht: Die Spieler und ihre Charaktere. Jeder Spieler sollte mit dem Charakter, den er ausgewählt hat, zufrieden sein. Außerdem sollte jeder die Möglichkeit erhalten, seinen Charakter vor- und darzustellen. Auch wenn angenommen wird, dass man mit den vorgefertigten Charakteren spielt, werden die Charaktererschaffungsregeln noch einmal erläutert, gerade im Bezug dazu, falls ein Spieler sich Änderungen wünscht.

Außer Lesen nichts gewesen?

Die Beiträge lesen sich alle sehr hoffnungsvoll, aber auch sehr betüddelnd. Insgesamt schien die Grundannahme mitzuschwingen, dass man unter allerstärkstem Lampenfieber leidet. Insgesamt treffen sie jedoch stets den Kern. Doch stellten die Beiträge auch eines sehr stark heraus: Wahrscheinlich gehörte ich doch eher nicht zur Zielgruppe.

Da ich bereits seit zwanzig Jahren Rollenspiel betreibe, wusste ich doch bereits einiges. Zwar leite ich erst seit September wieder regelmäßig und etwas professioneller als zu meinen Teeniezeiten, doch ging es in der Kampagne zum New Gamemaster Month doch eher um das Rekrutieren von völligem Jungblut. In Reflexion wurde auch nichts anderes versprochen, die Hoffnung meinerseits, doch noch etwas Neues zu lernen, wurde dennoch nicht völlig enttäuscht.

Zum einen war es sehr wertvoll zu verstehen, dass die vorliegenden Schritt-für-Schritt-Anweisungen keine Fremdwörter für mich waren. Auch, dass ich so kurzfristig eine Gruppe für einen Oneshot zusammentrommeln konnte, war echt aufbauend. Insgesamt blieb ich motiviert durch die Aktion gut am Ball und habe endlich einen Trail of Cthulhu Oneshot erfolgreich durchgezogen. Eine Aktion, die ich mit dem im Regal stehenden Regelwerk schon längt hätte tun können. Manchmal braucht man einfach einen Vorwand.

Auch international starke Community

Es gab jedoch mit der Facebook-Gruppe ein anders wichtiges Forum, in dem es mir wirklich Spaß gemacht hat, mitzulesen. Zugegebenermaßen hätte ich auch hin und wieder was schreiben sollen. Doch die sehr positive Stimmung und die wirklich ergreifenden Bemühungen der erfahrenen Haudegen, den heranwachsenden Spielleitern mit Rat zur Seite zu stehen war einfach ein super Gefühl.

Vor Kurzem haben wir erst über die sozialen Effekte des Rollenspielens berichtet. Durch den New Gamemaster Month habe ich erkannt, wie sehr das Hobby Menschen aus aller Welt vereint. Menschen, die sich noch nie zuvor getroffen haben, legten sich richtig ins Zeug, andere dafür zu motivieren, die Flamme der schwierigen Rolle des Spielleiters weiterzutragen.

Mein Fazit

Der positivste und schönste Effekt der ganzen Aktion war für mich zu sehen, wie schnell und einfach sich eine soziale Dynamik aufgebaut hat. Man hat gesehen, dass jeder Mensch ernst genommen wurde. In meinen Augen hat sich die Community wiedermal in einem sehr guten Licht dargstellt. Eigentlich kann ich nur stolz darauf sein, Rollenspieler zu sein.

Ich habe Bestätigung erhalten, dass ich alles habe, was man fürs Spielleiten braucht. Das letztendlich selbstbewusst zu sagen, ist für mich keine einfache Sache. Ich spiele seit vielen Jahren mit Spielleitern, die schon über vierzig Jahre nichts anderes tun. Vielleicht war das auch etwas, das mich etwas eingeschüchtert hatte. Ich habe echt Lust, meine Fähigkeiten weiter aufzubauen und mich hier auch weiterzuentwickeln.

Akribisch bin ich den Anleitungen der Aktion gefolgt. Ich habe auch schon ein Feedback an mich selbst: Irgendwie enden meine NPCs alle recht antipathisch. Daran werde ich in Zukunft arbeiten müssen. Doch ohne hoffnungsvoll nach vorne zu blicken und mich dem Spielleiten noch weiter zu widmen, wird dies nicht geschehen.

Ich hoffe, ich konnte allen Lesern einen guten Einblick vermitteln. Wer schon Erfahrung im Spielleiten hat, hat vielleicht Lust das nächste Mal in der Community mitzuwirken. Für Spielleiterveteranen sind die Tipps aus den Beiträgen wahrscheinlich aber eher nicht mehr als interessantes Beigeplänkel.

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