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Roll Inclusive: Diversity und Repräsentation im Rollenspiel

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Lesezeit: 2 Minuten

Wie bereits auf der Seite von Feder und Schwert und auch bei uns in den News angekündigt wurde, ist das Crowdfundingprojekt zu Roll Inclusive: Diversity und Repräsentation gestartet.

Seid dem 24.01.2019 läuft das Projekt auf der Kickstarter-Seite und hat bereits in den ersten Stunden den vollen Betrag von 4.000 € erreicht. Nach nur wenigen Tagen haben über 300 Unterstützer bereits mehr als 10.000 € zusammen. Damit wurden alle bislang gesetzten Stretch Goals erreicht.

Was bedeuten Diversity und Repräsentation?

Roll Inclusive ist kein gewöhnliches Regelwerk. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Essayband, der das Thema Diversity und Repräsentation populärwissenschaftlich aufgreift.
Die drei Herausgeber Aşkın-Hayat DoğanFrank Reiss und Judith Vogt arbeiten mit insgesamt 16 weiteren Autoren zusammen. Gemeinsam bearbeiten sie das Thema mit wissenschaftlichem Anspruch, aber auch mit Humor und Fingerspitzengefühl. Denn die Grundbegriffe sind nicht ohne.

Diversity (engl. für Diversität, Vielfältigkeit) steht für: Diversität (Soziologie), moderner Gegenbegriff zu Diskriminierung, um antidiskriminierende Maßnahmen argumentativ zu bündeln.


https://de.wikipedia.org/wiki/Diversity

Mit Repräsentation (von lat. repraesentare ‚vergegenwärtigen‘) bezeichnet man in der Philosophie die Vergegenwärtigung von nicht unmittelbar Gegebenem in der Vorstellung. Als Medium kommen das Gehirn, Texte, Bilder, Dateien oder Algorithmen in Betracht. Repräsentationen werden durch einen Akt des Sich Vergegenwärtigens von Vorstellungen oder Erinnerungen erzeugt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Repr%C3%A4sentation_(Philosophie)

Was bedeuten diese Begriffe fürs Rollenspiel?

Mit genau dieser Frage befassen sich die einzelnen Kapitel des Buches. Es geht um Rollenspiele und Rollenbilder. Um Barrierefreiheit am Spieltisch, um Inklusion in- und outgame, um sexuelle Identität und „-ismen“ innerhalb der Kommunikation. Aber auch wie politisch Rollenspiel ist und welcher Art von Kultursensibilität es bedarf. Diversity und Repräsentation eben. Dabei ist dieser Band nicht als Leitfaden zum politisch-korrekten Rollenspiel zu sehen. Neben all den genannten Punkten gibt es am Ende auch Toolkits, Nano-Games (kleinere Spiele, hier natürlich Rollenspiele) und Lesetipps.

Ob es sich lohnt und ob man darüber nachdenken und es umsetzen mag, ist jedem selbst überlassen. Der Essay spricht eine Bandbreite an Themen an, die jeder schon erlebt hat. Es geht nicht darum, darüber nachzudenken, seine Runde über den Haufen zu werfen. Auf jeden Fall zeigt der bisherige Erfolg bei Kickstarter, dass hohes Interesse an einem solchen Band besteht und wir freuen uns auf die ersten Rezensionen dazu.

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Oil
Gast
Oil

Dabei ist dieser Band nicht als Leitfaden zum politisch-korrekten Rollenspiel zu sehen.

Wenn ich mir die Kapitelüberschriften auf der Crowdfounding Seite durchlese, sind aber doch etliche dabei die mir mein Rollenspiel bewerten und ausrichten wollen. So wird ein “kritisches Weißsein” thematisiert (was ich wiederum schon vom Begriff her rassistisch finde), Feminismus in Zusammenhang mit dem “Machtgefüge” von Spielleiter und Spielern (natürlich mit Gender *) gebracht oder hässliche Rollenbilder definiert.
Ich dagegen will einfach nur mit meinen Freunden Spass haben. Einer Gruppe von Leuten die am Tisch live und in Farbe merkt was Spass macht und angebracht ist oder was eben nicht und auch mal jemanden über die Strenge schlagen lässt ohne direkt geteert und gefedert zu werden. Die aber auch kein Problem damit hat, Neuzugänge wieder aus die Gruppe zu komplimentieren, wenn die Person nervt. Ganz ohne Inklusionsgedanken.
Naja, es scheint ja genügend Leute für so ein Buch zu geben. Wobei mich schon interessieren würde, wer so ein Buch kauft und wem es von Nutzen ist, denn Rollenspielgruppen gründen sich ja nicht willkürlich sondern sie sieben selbstverständlich nach Kompatibilität der Personen untereinander. So finden sich ganz automatisch Gruppen, die die Buchinhalte sowieso schon beherzigen oder die die Buchinhalte links liegen lassen.

Tulljamadjin
PnPnews.de

Viele Gute Fragen, die Du stellst.
Ich habe Interesse an dem Buch, einfach nur weil ich wissen möchte, was da so drin stehen mag und ich mich gerne weiterbilde. Man hat aus meiner Sicht selten die Gelegenheit etwas publiziertes über das Hobby Rollenspiel in die Finger zu bekommen – ich habe daher die Vermutung, dass allein aus diesem Grund sich viele Interessierte findet. Bei mir war der Hauptgedanke einfach, dass ich Lust drauf habe, es zu lesen. Ob sich daraus auch ein praktischer Nutzen gibt, bleibt abzuwarten 🙂

Oil
Gast
Oil

Ich würde in das Buch auch gerne mal reinblicken. Wobei ich nicht auf eine Weiterbildung hoffe, sondern überprüfen wollen würde, ob das Buch so ist, wie ich es mir vorstelle. Wenn ich schon Themen wie „warum leben wir auch in postkolonialer Zeit noch immer in einem rassistischen System, und warum hilft es uns, das auch in unserem Lieblingshobby zu reflektieren?“ höre, rollen sich mir die Fußnägel auf. Der Zwang unbedingt jeden Bereich des Lebens in ein Problem- und Minenfeld zu verwandeln fasziniert mich, auch wenn ich dafür bete, dass sich niemand diese verkopften Probleme oder den Selbsthass einiger Wenige auf die Schultern läd und insbesondere die Rollenspielautoren und Verlage sich dem komplett verschließen.
In Summe ist mir jedoch mein Geld zu schade.

Tulljamadjin
PnPnews.de

Kann ich nachvollziehen. Mich interessiert einfach, was die Leute so denken mögen. Ich lese viel und gerne, nicht immer erwarte ich dabei viel oder bin sogar auch sehr kritisch eingestellt. Es eröffnet aber oftmals doch den Horizont. Letztendlich spielt man Rollenspiele weil es Spass macht, mit Leuten mit denen es Spass macht – das ist das wichtigste 🙂

LukeFinewalker
PnPnews.de

Wenn ich mir die Kapitelüberschriften auf der Crowdfounding Seite durchlese, sind aber doch etliche dabei die mir mein Rollenspiel bewerten und ausrichten wollen.

Wie soll das denn überhaupt möglich sein – dein privates Rollenspiel zu “bewerten” und “auszurichten”? Kein Buch auf der Welt wird jemals dazu in der Lage sein.

Roll Inclusive wird vermutlich auf einer sehr viel allgemeineren Ebene zu verstehen sein. Ob man daraus etwas für die eigene Rollenspielrunde mitnehmen kann oder möchte, und wenn ja, was, bleibt ja wohl jedem selbst überlassen. Niemandem wird hier irgendwas aufgezwungen, weder das Buch zu kaufen, noch es zu lesen oder in irgendeiner Form zu beachten.

Ich persönlich sehe das Projekt eher als eine gesellschaftliche Spielhilfe an und bin sehr gespannt, was dabei am Ende herauskommt.

Oil
Gast
Oil

Wie soll das denn überhaupt möglich sein – dein privates Rollenspiel zu „bewerten“ und „auszurichten“? Kein Buch auf der Welt wird jemals dazu in der Lage sein.

Ganz ehrlich, ich verstehe die Frage bzw. deinen gesamten Einwand nicht so recht. Ich weiß auch nicht, warum du eine Schärfe in die Diskussion bringst. Selbstverständlich werden, zumindest nach den Kapitelüberschriften und den zugehörigen Erläuterungssätzen, Bewertungskriterien für ein (also auch mein) Rollenspiel gesetzt. Und seien es Moralische. Mein zitierter Satz mit dem ‘rassistischen System’ zeigt diese Maßstäbe sehr genau und lassen einen stark missionierenden Ansatz (also etwas, wonach man sich nach des Autors Ansichten ausrichten sollte) erkennen.
Und genau das steht im Artikel von PnPNews anders, deswegen habe ich überhaupt hier in diesem Beitrag geschrieben, indem ich diesen Widerspruch aufgegriffen habe.
Natürlich muss ich persönlich nicht jedem gedanklichen Querschläger, der in Zeilen gebannt ist, folgen. Ehrlich gesagt bin ich sogar sehr froh, dass Rollenspielegruppen in so kleinen, in so privaten Einheiten gefasst sind, dass Bewertungs- und Moralmaßstäbe aus externen Büchern keinen Einfluss entfalten werden oder nur bei denen, die eh daran Interesse zeigen. Hoffen wir nur, dass Rollenspielredaktionen und Verlage in Ihren Produkten zum konkreten Rollenspiel nicht mit solchen Moralvorgaben hausieren gehen.

LukeFinewalker
PnPnews.de

Interessant, ich bringe also “Schärfe” in die Diskussion? Ich bin wohl nicht derjenige, der so durchaus wertende Begriffe wie “gedankliche Querschläger” oder “mit Moralvorgaben hausieren gehen” verwendet, von deinen anderen Kommentaren mal ganz abgesehen. Nun ja.

Meine “Frage” besteht darin, welchen Einfluss ein Buch auf dein persönliches, privates Rollenspiel haben soll, wie es das “bewerten” oder “ausrichten” können soll. Soweit ich weiß, ist ein Buch immer noch ein unbelebter Gegenstand, der von sich aus überhaupt nichts tun kann – wenn man ihn denn überhaupt in die Nähe seiner privaten Runde lassen möchte.

Welchen Einfluss der Inhalt eines Buches auf seine Leser*innen haben kann, werden diese sicherlich selbst bestimmen. Du darfst natürlich gerne “beten”, dass sie damit eher “deine” Position vertreten als irgendeine andere, aber mir scheint, du dramatisierst den Effekt eines Projekts wie Roll Inclusive hier stark.

Nichts für ungut, aber ich habe kein Interesse an einer so polemischen Diskussion, wie du sie hier anscheinend führen möchtest, deshalb klinke ich mich an dieser Stelle wieder aus.

Nur nochmal zum besseren Verständnis:
Ich persönlich sehe das Projekt als eine Art gesellschaftliche Spielhilfe an, die mir systemunabhängig Einblicke in die Sichtweisen von Menschen verschafft, die in vielen Hinsichten anders sind als ich selbst (Diversität). Damit wird mir nichts “vorgeschrieben”, genauso wenig wie mir ein beliebiges Regelwerk “vorschreiben” kann, wie ich ein Rollenspiel zu spielen oder mit meinen Freunden Spaß zu haben hätte. Aber als langjähriger Rollenspieler finde ich das Angebot solcher Perspektiven – denn nichts anderes als ein Angebot ist es letztendlich! – auf jeden Fall bereichernd.

Wen dieses Buch nicht interessiert, der muss es ja nicht kaufen, lesen oder sonstwie beachten. Vehemente Stimmungmache gegen ein in unserem Artikel vorgestelltes Projekt finde ich aber an dieser Stelle fehl am Platz.

Oil
Gast
Oil

Ich bin wohl nicht derjenige, der so durchaus wertende Begriffe wie „gedankliche Querschläger“ oder „mit Moralvorgaben hausieren gehen“ verwendet, von deinen anderen Kommentaren mal ganz abgesehen.

Natürlich bringe ich wertende Begriffe in einem Kommentarfeld zu einem vorgestellten Buch vor, wenn ich mich dazu äußere. Ich denke, genau dafür ist ein Kommentarfeld da. Nach dem Motto: „hier ist ein vorgestelltes Buch mit einer Aussage, was sagst du dazu?“
Ich wollte damit niemanden vor die Karre fahren und niemanden persönlich angehen. Wenn bei dir das anders rüber gekommen ist, möchte ich dich um Entschuldigung bitten.
Wenn jemand das Buch interessiert, es gerne lesen mag und auch toll findet, dann ist das doch gut. Aber siehe es mir nach, wenn ich das Buch aller Voraussicht nach nicht toll finden werden und mich dazu äußere und womöglich auch noch begründe, warum dem so ist.

Meine „Frage“ besteht darin, welchen Einfluss ein Buch auf dein persönliches, privates Rollenspiel haben soll, wie es das „bewerten“ oder „ausrichten“ können soll.

Es wird nicht unmittelbar auf mein Rollenspiel Einfluss nehmen können. Gott sei Dank. Es erhebt aber den Anspruch für mich zu gelten und reicht genau deswegen in meine Sphäre. Ich halte nicht viel davon, sinngemäß zu sagen, „ignorier das Buch doch einfach, beachte es nicht, wenn du nicht magst“. Die Ansprüche, die in dem Buch formuliert sind, sind eben keine wenn oder kann Beschreibungen, sondern handfeste Ansprüche mit vorformulierten Thesen, wie dem rassistischen postkolonialen System, in dem sich der Autor wähnt und das seiner Ansicht nach auch im Rollenspiel beachtet oder besser ausgedrückt bekämpft werden solle. Hier an dieser Stelle wird nämlich auch an Verlage und Autoren eine Forderung aufgestellt und spätestens dann bin ich mittelbar betroffen.
Es gibt mit Sicherheit Personen, die möchten auch im Rollenspiel, überspitzt gesagt, die reale Welt retten. Ich möchte das nicht, ich möchte nur spielen sowie Spaß haben und verwahre mich vor einer externen gestellten Forderung einiger Autoren, auch wenn es nur mittelbar sein sollte, ihren Weg und ihren Überzeugungen nachzufolgen.

Ich persönlich sehe das Projekt als eine Art gesellschaftliche Spielhilfe an, die mir systemunabhängig Einblicke in die Sichtweisen von Menschen verschafft, die in vielen Hinsichten anders sind als ich selbst (Diversität).

Wenn es das wäre, fände ich das Buch wohl auch interessant und wünschenswert. Einen Einblick in eine andere Sichtweise ist immer gut. Doch die Herangehensweise des Buches an die ganze Thematik ist meiner Meinung nach eine ganz andere, und kein zwar positive.

LukeFinewalker
PnPnews.de

Natürlich darfst du deine Meinung dazu äußern und sehr gerne auch begründen, fühl dich ausdrücklich ermutigt. Wir freuen uns über jeden sachlichen Kommentar hier. 🙂

Du hast deinen Input ja auch gebracht, soweit okay, wir sind in vielen Punkten möglicherweise unterschiedlicher Meinung, ich denke, das ist auch okay.

Ich halte es jedoch für wenig zielführend, über die vermeintlichen Forderungen einzelner Autor*innen oder gar ihren Effekt auf individuelle Rollenspieler*innen oder die Szene insgesamt zu spekulieren, ohne eine handfeste Diskussionsgrundlage dafür zu haben.
Bedenke, dass das Buch noch nichtmal erschienen ist. Welche “Ansprüche” es erhebt oder was letztendlich drinstehen wird, lässt sich meiner Meinung nach nicht anhand von Kapitelüberschriften erkennen.

Und welche Folgerungen einzelne Menschen aus den fertigen Texten mitnehmen (können/wollen), ist erstens abzuwarten, bevor hier dramatisiert wird, und zweitens jedem mündigen Menschen selbst überlassen, egal ob man Ottonormalrollenspieler, Autor, Mitarbeiter eines Verlages oder Redakteur bei einem Newsblog ist.

Freie Meinungsäußerung, leben und leben lassen – ich bleibe bei der Empfehlung, dieses Projekt einfach zu ignorieren und andere Leute so spielen zu lassen, wie sie das mögen, so wie du es auch für dich beanspruchen kannst.

Wie wäre es ansonsten, wenn wir uns nochmal unterhalten, wenn das Buch erschienen ist, und wir tatsächlich darüber reden können, was eigentlich drin steht? Und wenn du dann immer noch der Meinung sein solltest, dass das Buch irgendeinen Einfluss auf dein persönliches Rollenspiel hat, darfst du mir gerne davon berichten. Alles andere führt doch zu nichts.

Gumbald
Gast
Gumbald

Ich glaube, für das Buch bin ich noch nicht Hardcore-RPGler genug, als dass mich das auch nur im mindesten reizen würde zu lesen.
Aber abwarten!
Vor 10 Jahren habe ich die Leute im Tanelorn-Forum alle für Freaks gehalten. Jetzt lese ich gerne Artikel zum Thema “Wie werde ich ein besserer Spieler/Spielleiter” und erwische mich immer wieder dabei, Topics im Tanelorn Forum zu durchforsten, weil da interessante Themen besprochen werden.
Somit: In 10 Jahren isses dann soweit und ich werde das Buch lesen.
Aber bis dahin halte ich es für total überflüssig!
😉

Tulljamadjin
PnPnews.de

Viel Spaß dabei im Vorraus 🙂

LukeFinewalker
PnPnews.de

“Wie werde ich ein besserer Spieler/Spielleiter“ ist auf jeden Fall auch ein extrem spannendes Thema. Wenn du dabei auf interessante Ideen stößt, kannst du uns davon gerne berichten. 🙂

Gumbald
Gast
Gumbald

Hier, das ist meine “Bibel”:
https://richtig.spielleiten.de/2017/09/28/der-spieler/
Bester Text, den ich bislang gelesen habe.
Hat mir sehr dabei geholfen, Probleme in einer lange bestehenden Gruppe zu identifizieren und hilft mir auch in neueren Gruppenkonstellationen dabei, meinen Teil zu leisten, damit alle einen schönen Spielabend haben.

LukeFinewalker
PnPnews.de

Markiert, wird bei Gelegenheit mal genauer betrachtet. Ich bin persönlich auch der Meinung, dass es viel mehr Ratschläge auch an Spieler gerichtet geben sollte und allgemein die Grenzen zwischen Spielern und SL eher verwischt als verhärtet werden sollten. 🙂