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CCXP 2019 – für Rollenspieler?

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Die Comic Con Experience 2019 fand vom 27.06 bis 30.06. statt. Schon seitdem bekannt ist, dass die Role Play Convention 2018 die letzte ihrer Art war, war die Skepsis in der Pen-&-Paper-Szene groß. Ich war am Donnerstag vor Ort auf der CCXP 2019 und kann von meinen Eindrücken des ersten Tages der Convention berichten.

Im Vorfeld zur Veranstaltung hatten wir die Messe schon einmal kurz mit ihrem Programm vorgestellt, weshalb ich nur an relevanten Punkten noch einmal auf das Programm eingehen werde.

Erfahrungen vom Donnerstag

Nach einfacher Anreise und etwas verwirrenden Beschilderungen schaffen es meine Schwester und ich um ca. 11:30 Uhr ins Parkhaus. Als wir um 11:45 Uhr am Messegelände ankommen, gibt es bereits die zweite Verwirrung: Wo sind denn all die Menschen? Schulterzuckend nehmen wir die großflächig angelegte, auf Großveranstaltung ausgelegte Konstruktion aus Absperrungen für Warteschlangen zur Kenntnis und schnappen uns unsere FSK-Bänder (von denen wir bis heute nicht wissen, wofür genau – vielleicht für die ignorierten Filmtrailer?). Kurz darauf gesellt sich noch die Nerdfee zu uns. Zu dritt schauen wir uns die Veranstaltung an und suchen nach dem Erbe der RPC.

Von Rollenspiel ist erstmal nicht viel zu sehen, aber es gibt zumindest eine etwas dilettantische, aber amüsante Cosplayparade durch den Zwischenflur. Ein erstes Bisschen RPC-Gefühl kommt auf, doch leider ist außer uns und einigen Leuten mit Presseausweisen fast keiner da. In der ersten Halle dreht sich alles um Filme, Lego, Stars und Sternchen. Wir haben für uns unseren Spaß, lassen uns mit einer Annabelle-Puppe fotografieren und schauen uns begeistert Hagrids Hütte an. Ein bisschen Ähnlichkeit zur RPC 2018 hatte der Autogrammbereich schon, aber Pen & Paper Rollenspiel und Cosplay sah man hier erstmal nur begrenzt.

Halle 7 sah von den Ständen wieder etwas anders aus. Unsere Uhrwerk-Buttons finden erste Abnehmer. Schnell wird uns klar, die Community und die Leute sind alle entspannt und cool drauf, mustern jedoch alles mit einer gewissen Skepsis. Besonders traurig ist der fast völlig leere Playground. Am Rande dessen steht, schon fast versteckt in einem der hinteren Winkel der Halle, der Truant Spiele Verlag. Wie geplant kaufe ich die deutsche Ausgabe des The Witcher RPG. Jedoch scheint nach erstem Eindruck zu befürchten, dass sich nur Kenner dorthin verirren könnten.

Powered by RPC?

Verwundert sind wir jedoch über die „Powered by RPC“-Banner, die bewerben sollen, dass die Stände kostenlos gestiftet wurden. Zwei Stände weiter sitzt eine Person etwas erwartungsvoll am Stand der DORP und freut sich, dass jemand mit ihr spricht. Dort will man die CCXP noch nicht schlecht reden und hofft auf mehr Besucher. Auch bei Ludus Leonis begegnet man uns sehr freundlich. Der Eindruck ist jedoch leider auch hier, dass man sich erst einmal in die hinterste Ecke verlaufen muss. Ich lasse mir hier noch einmal Nip’Ajin vorstellen, zu dem gerade ein Spielbuch auf Kickstarter finanziert werden will.

Nachdem uns der wüstleere Playground nicht so ganz einladend vorkommt, unterhalten wir uns mit ein paar weiteren netten Damen und Herren an ihren Merchandiseständen für Rollenspieler. Ich lasse mich von einer Tasse für Spielleiter und einer Würfelbox begeistern. Das erste Mal sehe ich eine größere Anhäufung von Messebesuchern und lasse mich dorthin treiben. Die Autorenstände am Lesecafé sind gut besucht, die Autoren super nett. Natürlich nehme ich dort auch etwas mit. Zugegebenermaßen war es aber auch der erste Stand, auf dem ich proaktiv mit positiver Energie angesprochen wurde.

Daraufhin ziehe ich weiter zum Uhrwerk Verlag. Eine Fuhre Uhrwerk-Buttons gebe ich dort ab, das Treiben ist geschäftig. Dies war einer der wenigen Stände wo wirklich mehr los war. Da ich mich jedoch mit Produkten des Uhrwerk Verlags bereits gut eingedeckt habe, unterstütze ich Feder & Schwert mit dem Kauf zweier Romane. Erst nach dem Besuch des Mittelaltermarktes schaue ich mir den Stand von Ulisses Spiele an, an dem es semi-geschäftig zuzugehen scheint. Leider war keiner der dortigen Mitarbeiter sehr gesprächig, weshalb ich mich lieber an anderen Orten nochmal umsah.

Die Zeichnergalerie, die auch immer ein Highlight der RPC gewesen ist, strotzte vor unbesetzten Ständen. Unbesetzt in dem Sinne, dass der Künstler oder die Künstlerin schlicht und einfach nicht am Stand war. Das unter dem ganz einfachen Hintergrund, den die meisten wörtlich wie folgt wiedergaben: „ist ja nichts los“. Das fand ich besonders traurig, da ich eigentlich immer gerne mit den Zeichnern gesprochen habe. Doch vom Schnacken bekommt man halt auch nichts gebacken …

War das der Mittelaltermarkt?

Auf dem Weg zur Halle 7 gab es eine Ansammlung von Bauten und Gefährten der Cosplayergruppe Rotten Raptors, die sich wirklich sehen lassen konnte. Persönlich hätte ich mir aber im Außenbereich noch ein paar Cosplayergruppen mehr gewünscht. Eine Ansammlung von Ständen, die den Mittelaltermarkt darstellen sollten, war ebenfalls in einem weiteren Außenbereich vertreten. Einige Bekannte von der Role Play Convention traf man schon wieder, jedoch war die Auswahl an Ständen bei weitem nicht so ausgiebig und vielseitig wie dort.

Dennoch wurden die Stände und vor allem die einzige dortige Taverne ausgiebig von Besuchern zum Rasten und Quatschen genutzt. Die angekündigten mittelalterlichen Klänge blieben jedoch weitestgehend aus und man sah auch keine einzige Ritterrüstung oder sonstiges. Doch als die Band spielte, tanzten wir drei dennoch eifrig mit und versuchten zumindest ein paar Besucher mit ins Mittelalter zu entführen.

Am meisten tat mir jedoch der Schmied leid. Normalerweise bin ich gewohnt, dass auf der RPC oder bei anderen Mittelalterveranstaltungen eine große Kinderschar dem Schmied bei der Arbeit zusieht und ihn ausfragt. Jedoch war er diesmal wohl einer der am wenigsten besuchten Stände am ganzen Donnerstag der CCXP 2019.

Cosplay schön und gut, ich bin mir jedoch sicher, früher auf der RPC mehr Cosplayer gesehen zu haben. Auch das Thema Mittelalter schien sehr wenig bei den Kostümen zu vertreten gewesen zu sein, was auch den am Donnerstag fast durchgängig unbesucht erscheinenden Stand von Mytholon erklären könnte.

Mein Fazit zum Donnerstag

Zuerst: Ja, wir hatten Spaß. Die Veranstaltung war auf jeden Fall gut durchorganisiert und geplant. Ich hatte jedoch stets das Gefühl, dass viele der Besucher da waren, weil sie gerade besonders günstig oder kostenlos an ein Ticket kamen. Ich habe es mit meiner Schwester die ganze Öffnungszeit über durchgehalten, es gab genug zu tun und zu entdecken. Die Ticketpreise und den Termin zeitgleich zur Stuttgarter Comic Con halte ich jedoch genau wie einige andere für fragwürdig.

Einen gewissen Rest RPC habe ich schon gespürt, beziehungsweise den Versuch, die RPC weiterleben zu lassen. Dass die Facebook-Seite zur Role Play Convention jeodoch größtenteils auch mit für LARP oder Pen & Paper irrelevanten Themen wie dem Batmobil oder der Premiere von Annabelle 3 auf der CCXP 2019 wirbt, spricht für mich jedoch Bände: Das, was die RPC ausgemacht hat, wurde wie ein Anhang behandelt.

An eigentlichen Messeberichten konnte ich bisher nur einen auf VierHeldenUndEinSchelm finden. Im Kern fallen einige dort genannte Punkte genau mit meinen Erfahrungen zusammen, so z. B., dass die Themen LARP, Tabletop- und Brettspiele wenig auf der Messe relevant vertreten wurden. Bei genauem Hinsehen gab es jedoch schon ein paar dazugehörige Stände. Da ich persönlich jedoch fast keine Produkte von Ulisses Spiele verwende, war der Besuch bei ihrem Stand nur aus reinem Interesse. Wie es dem Messebericht nach scheint, war für DSA-Spieler schon einiges an Programm dabei.

Auch scheine ich nicht der einzige gewesen zu sein, der dem Anschein nach hauptsächlich auf Menschen mit Presseausweis traf, die deswegen da waren, weil ihnen das Ticket geschenkt worden war. So vermisste Jaegers.Net am Donnerstag sichtbare Besucher. Die waren zumindest an diesem Tag nicht wirklich großflächig gesät.

Mein größtes Lob geht jedoch an die auf der CCXP 2019 vertretene Community: Egal ob Rollenspieler, Comicnerd oder Filmfantast – alle Besucher waren wirklich gut drauf, man konnte mit jedem echt starke Gespräche führen und hatte nie das Gefühl, sich fehl am Platz zu fühlen. So war es verschmerzbar, dass die Role Play Convention mit der CCXP wohl wirklich nur noch als Idee am Rande weiterleben wird – falls sich nicht etwas am Konzept der Messe ändert.

Die CCXP 2020 wird jedoch definitiv wieder zur gleichen Zeit wie die Comic Con in Stuttgart stattfinden. Nach eigener Aussage hatte die CCXP 2019 sogar 40.000 Besucher. Derzeit bin ich jedoch skeptisch, ob sich das im nächsten Jahr nach oben entwickelt.

Gespräche von Orkenspalter TV mit Ausstellern auf der CCXP 2019
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