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Fellowship – epische Fantasy powered by the Apocalypse

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Epische Fantasygeschichten sind seit langer Zeit in unserer Medienlandschaft fest verwurzelt. Der Herr der Ringe wird in diesem Jahr 65, Game of Thrones kommt zu einem Abschluss und selbst Star Wars geht nach 42 Jahren zuende (zumindest offiziell). Und natürlich kann man noch etlichen weiteren Geschichten das Attribut Fantasy-Epos zuschreiben.

Auch im Pen & Paper Rollenspiel ist epische Fantasy seit Anbeginn der Zeiten eines der beliebtesten Genres. Unzählige Spiele versuchen das überlebensgroße Gefühl dieser Geschichten am Spieltisch zu emulieren, je nach System, Setting und individueller Herangehensweise mal mehr und mal weniger erfolgreich.

Fellowship von Jacob Randolph ist eines dieser Spiele, geht dabei jedoch seinen eigenen Weg.

Epische Fantasy, powered by the Apocalypse

Wie der Name schon vermuten lässt, orientiert sich Fellowship vom Spielgefühl her in erster Linie an Der Herr der Ringe. Allerdings lassen sich auch Konzepte anderer Fantasy-Epen wie Wheel of Time, Star Wars, Avatar – the last Airbender, World of Warcraft, Final Fantasy und vieler weiterer erkennen. Die Gemeinschaft der Freien Völker stellt sich dem finsteren Herrscher entgegen, der die Welt ins Dunkel stürzen möchte.

Wie auch Dungeon World, mit dem es oft verglichen wird, basiert Fellowship auf der erzähllastigen Apocalypse Engine (Powered by the Apocalypse, PbtA). Die Spieler übernehmen Archetypen des Genres, die sie in ihren Charakterbüchern an ihre eigenen Vorstellungen anpassen. In diesen Charakterbüchern finden sich spezielle Spielzüge, die zusammen mit den allgemeinen Spielzügen den Rahmen für das erzählerische Spiel bilden. Auch die unkomplizierte Würfelmechanik verwendet das bekannte PbtA-System (mit einigen Modifikationen).

Eine Prämisse von Fellowship ist, dass die Mitglieder der Gemeinschaft die Champions ihres jeweiligen Volkes darstellen. Zusammen mit dem individuellen Charakter definieren Spieler anhand der Charakterbücher auch die speziellen Eigenheiten des dazugehörigen Volkes. So generiert ihr beispielsweise mit dem Charakterbuch des Elfen nicht nur einen Elfen unter vielen, sondern erschafft gleich das gesamte Volk der Elfen für die gemeinsame Spielwelt. Der Spieler eines Charakterbuches gilt damit als die definitive Instanz für den Hintergrund seines Volkes, er erzählt den anderen wie die Elfen in der gemeinsamen Spielwelt so sind.

Zur Auswahl stehen dabei Charakterbücher zu Zwergen, Elfen, Halblingen und Orks, allerdings auch noch weitere wichtige Archetypen aus Fantasy-Epen. Am Beispiel von Der Herr der Ringe entspricht etwa The Heir (der Thronerbe) dem Charakter Aragorn, The Harbinger (der Vorbote) dem Charakter von Gandalf oder The Squire (der Knappe) in etwa dem Charakter von Sam, der unterstützende Sidekick neben den großen Helden, der in der größten Not aber auch selbst zum Helden wird.

Ein Charakterbogen für den SL

Nun ist es ja nichts Ungewöhnliches, dass dem Spielleiter in einem Rollenspiel die Aufgabe zufällt, die Gegner der Spielercharaktere zu verkörpern. Fellowship kodifiziert diese Aufgabe allerdings so weit, dass es dem SL ein eigenes Charakterbuch für den Overlord, den finsteren Herrscher, an die Hand gibt. Denn in Fantasy-Epen nimmt der Bösewicht häufig auch persönlich eine so wichtige Rolle ein, dass er in der Runde ähnlich gespielt werden kann, wie ein Spielercharakter.

Dieses Charakterbuch funktioniert natürlich deutlich anders als die der Spieler. Während die Spieler ihre Attribute verteilen und ihre Ausrüstung festlegen, beschreibt der SL hier die Stärken des Overlords, was ihn so übermächtig macht, und was seine einzige Schwäche ist. Hier werden die bösartigen Pläne des Overlords skizziert, die dann im Spiel vorangetrieben werden, und seine finsteren Armeen sowie deren Generäle umrissen.

Analog zu den SL-Spielzügen aus z. B. Dungeon World sind hier auch die Spielzüge des Overlords aufgeführt, mit denen er der Gemeinschaft das Leben schwer machen soll. Auch diese funktionieren etwas anders, beispielsweise würfelt der Overlord nicht, sondern macht einfach. Das Gelingen seiner finsteren Pläne soll in epischer Fantasy nicht dem Zufall überlassen werden, sondern kann nur durch die Aktionen der Helden verhindert werden.

Fellowship gibt dem SL allerdings klare Richtlinien für das Spielen des Overlords an die Hand. So soll der Overlord den Helden das Leben so richtig zur Hölle machen. Er soll ihnen aus seiner überlegenen Machtposition heraus Niederlagen und Verluste beibringen und sie da treffen, wo es ihnen am meisten wehtut.

Ultimativ soll er jedoch von den Spielern besiegt werden, nachdem diese eine Allianz zwischen ihren Völkern geschmiedet, die Schwäche des Overlords herausgefunden und einen Weg gefunden haben, ihn zu Fall zu bringen. So lautet eines der Prinzipien auch „Be a fan of their characters“ – sei ein Fan ihrer Charaktere, lass sie dabei gut aussehen, wie sie dir die Stirn bieten.

Die Bande der Gemeinschaft

Wie bei vielen PbtA-Spielen findet sich auch in Fellowship das Spielelement der Bonds, der Bande zwischen den Charakteren. Passend zum Genre der epischen Fantasy fällt den Beziehungen der Helden zueinander hier eine große Bedeutung zu. Wo in den Charakterbüchern bei Dungeon World je 3-5 Bande vorgeschlagen sind, finden sich in Fellowship je ca. 10 und entsprechender Platz für viele weitere. Wenn Charaktere zusammenarbeiten, zwischen denen Bande bestehen, erhalten sie automatisch einen Bonus auf ihre Aktionen. Auch stehen dazu spezielle Spielzüge zur Verfügung.

Auch zu Nebenfiguren können Bande geknüpft werden. Dadurch können innerhalb eines Volkes unterstützende Companions herausgebildet werden, auf deren Fähigkeiten oder Ressourcen die Gemeinschaft zurückgreifen kann. Diese Mechanik wird über Bande abgebildet. Wenn diese jedoch aufgelöst werden, spiegelt das wider, dass die Nebenfigur das Vertrauen in den betreffenden Charakter verliert und ihre Loyalität oder ihre Aufopferungsbereitschaft sinkt.

Selbst der Overlord knüpft Bande zu den Spielercharakteren und sie zu ihm. Auch dieser Mechanismus gestaltet sich allerdings etwas anders als innerhalb der Gemeinschaft. Die Bande des Overlords drücken aus, welches Leid er einzelnen Spielercharakteren oder ihrem Volk zugefügt hat, welcher Verbrechen er sich in ihren Augen schuldig gemacht hat.

Mit diesen Banden kann er sich gegen Aktionen der Spielercharaktere verteidigen oder ihnen mit dem Spielzug Twist the Knife durch das „Umdrehen des Messers in der Wunde“ erneut schaden.

Andererseits können aber auch Spielercharaktere Bande zum Overlord knüpfen, wenn sie persönliche Momente mit ihm erleben und Erkenntnisse über seine wahre Natur erlangen. Diese Bande werden eingesetzt, um vom Overlord Gnade oder eine wertvolle Information einzufordern oder ignoriert zu werden und unbeschadet davonzukommen.

Szenenstruktur in Fellowship

Im Gegensatz zu vielen anderen Rollenspielen ist das Spiel in Fellowship in relativ klar strukturierte Szenen gegliedert, die einem festen Ablauf folgen. So eröffnet zunächst der Overlord die Szene und erzählt, wer sich wo und in welcher Situation befindet. Dann beschreiben die Spieler, was sie tun wollen. Anschließend wird der Einsatz bestimmt: Was kann die Gemeinschaft erreichen, welches Hindernis muss überwunden werden, welche Konsequenzen drohen, wenn das nicht gelingt?

Dann wird die Szene ausgespielt, ähnlich wie man es von anderen Rollenspielen kennt. Dabei werden Spielzüge ausgelöst und ausgewertet und das Spotlight von einem zum anderen weiter gereicht (siehe unten). Wenn die Szene abgeschlossen ist, wird sie kurz zusammengefasst und ihr geht in die nächste Szene über.

Szenen sind dabei in vier Kategorien eingeteilt:

  • Reisen: die Fortbewegung der Gemeinschaft von einem Ort zum anderen, und die Ereignisse, die ihnen unterwegs widerfahren.
  • Herausforderungen: größere Hindernisse, die die Gemeinschaft überwinden muss, oder Kämpfe, denen sie sich stellen muss. Diese Kategorie umfasst aber auch die Ziele, die die Gemeinschaft aktiv erreichen will.
  • Downtime: die Ruhephasen, in denen sich die Charaktere erholen oder ihren persönlichen Angelegenheiten nachgehen, in denen aber auch der Overlord seine Pläne vorantreiben oder sich seinerseits von erlittenen Niederlagen erholen kann.
  • Showdowns: die epischen Begegnungen mit dem Overlord selbst oder einem seiner Generäle. Der Overlord verursacht eine dramatische Bedrohung, der sich die Gemeinschaft stellen muss, um Schlimmes zu verhindern.

Agenda, Prinzipien und geteiltes Spotlight

Ein Kernelement vieler PbtA-Spiele sind die Agenda und Prinzipien, die dem Spielleiter mit auf den Weg gegeben werden. In abstrakten Listen ist einerseits ausgedrückt, welche Ziele im Spiel erreicht werden sollen, und andererseits, was der SL tun soll, wie er sich verhalten soll, um diese Ziele zu erreichen.

Fellowship gibt auch den Spielern in ihren Charakterbüchern eine Agenda mit. Diese beschreibt einerseits, was der Spieler beim Spielen seines Charakters allgemein versuchen soll, zu erreichen. Andererseits stellt sie ihm auch noch die Wahl eines weiteren, individuelleren Agendums offen, der persönlichen Motivation des Charakters.

Prinzipien zum Spotlight

Außerdem gibt Fellowship auch der Gemeinschaft allgemeingültige Prinzipien zum Verhalten am Spieltisch mit auf den Weg. Darunter sind unter anderem die Punkte „Don’t steal the spotlight …“ und ergänzend „… but shine on when you have it“.

Damit ist gemeint, dass man andere Spieler nicht unterbrechen soll, während sie ihre Aktionen ausführen, ihnen nicht das Ruder aus der Hand reißen soll. Man soll sich also nicht vordrängen, während andere ihre Glanzmomente haben. Wenn ihr allerdings selbst an der Reihe seid, sollt ihr das Rampenlicht auskosten. Ihr sollt etwas Cooles, etwas Lustiges, etwas Spannendes tun. Hauptsache, ihr tut etwas, um die Geschichte weiterzubringen.

Das besagte Spotlight, das Rampenlicht, der Mittelpunkt des Geschehens, ist in Fellowship zu einem richtigen Spielelement ausgebaut. Man soll in der Gruppe eindeutig klären, wer gerade an der Reihe ist, die Geschichte weiterzuerzählen. Dies kann unter Umständen auch durch einen Gegenstand symbolisiert werden, der am Spieltisch herumgereicht wird, wenn das Spotlight wechselt. In der Reihenfolge gibt es keine Vorgaben, die Spieler und der Overlord wechseln hin und her, wie es gerade passt. Allerdings sollen alle darauf achten, dass niemand zu lange leer ausgeht.

Spielkultur ausdrücklich erwünscht

So werden gewissermaßen Elemente einer erstrebenswerten Spielkultur, des Gruppenverhaltens am Spieltisch, des zwischenmenschlichen Umgangs miteinander, als feste Bestandteile des Spiels behandelt und sogar auf die Charakterbögen und Handouts geschrieben – nicht nur für den Spielleiter, sondern ausdrücklich für alle Mitspieler gültig und sichtbar.

Fellowship in der 2. Edition auf Kickstarter

Fellowship gibt es bereits seit 2015. Damals wurde das Spiel erfolgreich über Kickstarter finanziert und es hat sich seitdem deutlich weiterentwickelt. Auf DriveThruRPG finden sich beispielsweise diverse Zusatzmaterialien für die Gemeinschaft, aber auch für den Overlord. Daraus erwuchs eine Überarbeitung des Spiels, die nun eine 2. Edition hervorgebracht hat, für die nun neues Artwork finanziert werden soll. Diese 2. Edition ist bereits erhältlich und wird Käufern, die die erste Edition auf DriveThruRPG oder itch.io erworben hatten, als kostenloses Upgrade zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus dient die Kickstarter-Kampagne vor allem zur Finanzierung von zwei Erweiterungsbänden. Inverse Fellowship bringt die vorgegebene Spielwelt von Invells sowie dazu passende Charakterbücher mit. Außerdem enthält der Band mit The Horizon eine Variante des Spiels, in der kein Overlord zu besiegen wäre. Stattdessen könnt ihr eine offene Welt erkunden.

Die Erweiterung A Fellowship in Rebellion hingegen spielt in einer Welt, in der das Böse bereits gewonnen hat und an der Macht ist. Der Overlord wird hier zum Imperium, die Gemeinschaft der Helden zu einer Gemeinschaft von Rebellen. Den Feinden stellt ihr euch hier von innen heraus.

Beide Bände werden die Zusatzmaterialien in offizieller Fassung aufgreifen und noch weiteres Material enthalten. So sind beispielsweise die Teambücher The Ship (zum Erkunden einer offenen Welt) und The Rebellion (zur Darstellung einer Rebellenorganisation) dabei.

Die 2. Edition von Fellowship ist bereits finanziert, auch zusätzliches Artwork für die neuen Bände wurde bereits freigeschaltet. Das nächste Stretch Goal umfasst einen weiteren Band, A Generous Fellowship, der Community-Beiträge enthalten soll.

Die Kampagne läuft aktuell noch 12 Tage, endet also am 27.04.2019. Wenn euer Interesse geweckt wurde, könnt ihr euch über die Feiertage noch überlegen, ob ihr das Projekt auch unterstützen möchtet.

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