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One Child’s Heart

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Mit One Child’s Heart präsentiert Camdon Wright ein Rollenspiel der etwas ungewöhnlicheren Art. In einem sozialen und emotionalen Szenario mit Science-Fiction-Elementen bereisen die Spieler die Erinnerungen eines traumatisierten Kindes und versuchen ihm in schwierigen Momenten Beistand zu leisten. One Child’s Heart wird aktuell über Kickstarter finanziert.

Erinnerungen miterleben

Eine Prämisse des Hintergrunds von One Child’s Heart ist das experimentelle CLERS-Programm. Dieses ermöglicht einer oder mehreren Personen, bestimmte Momente in den Erinnerungen einer Zielperson zu bereisen, nicht ganz unähnlich zu dem „Animus“-Programm aus Assassin’s Creed.

Diese Technologie wird bei Kindern eingesetzt, die in ihrer Vergangenheit traumatischen Situationen ausgesetzt waren. Ausgewählte Experten werden in besondere Schlüsselmomente in der Erinnerung des Kindes hineinversetzt und können mit diesem interagieren. Dabei handelt es sich nicht um eine Zeitreise, sie können den Verlauf der Ereignisse in der Vergangenheit nicht beeinflussen. Allerdings sollen die Experten dem Kind in diesen schwierigen Momenten Beistand leisten und ihm zeigen, dass jemand für dieses da ist. Sie können ihm helfen, mit den Problemen umzugehen, ihm zu neuer Hoffnung und innerer Stärke verhelfen und vielleicht sein Leben zum Positiven beeinflussen.

Spielercharaktere und Mechaniken

In One Child’s Heart übernehmen die Spieler die Rollen von child welfare professionals, also von Menschen, die sich beruflich mit der Betreuung, Pflege und Behandlung von Kindern beschäftigen. Zur Auswahl stehen dabei fünf spielbare Professionen, die sehr vage an Playbooks, Charakterklassen oder Archetypen aus anderen Spielen erinnern: Kinderpsychiater, Gesetzeshüter, Geistliche, Sozialarbeiter und Therapeuten.

Diese Professionals verfügen über zwei Kernansätze (Attribute), Heart und Mind, mit denen sie versuchen können, auf das Kind einzuwirken. Darüber hinaus können sie einige Fähigkeiten aus ihrer jeweiligen beruflichen Expertise heranziehen, um diese Ansätze zu unterstützen. Im Endeffekt haben alle Professionals aber vergleichbare Möglichkeiten, mit dem Kind zu interagieren und ihm in der Erinnerung Beistand zu leisten.

Über den Verlauf des Spiels werden die Spielercharaktere in ca. drei verschiedene Erinnerungen des Kindes hineinversetzt und können mit ihm interagieren. Die Würfelmechanik kommt ausschließlich zum Einsatz, um zu bestimmen wie das Kind auf die Kontaktaufnahme eines Professionals reagiert. Die Spieler würfeln mit 2-3 W6, addieren Boni für eingesetzte Fähigkeiten und versuchen die vorgegebene Schwierigkeit zu erreichen. Diese verringert sich im Verlauf des Spiels. Allerdings können die Charaktere bei Misslingen auch das Vertrauen des Kindes verlieren oder andere negative Konsequenzen herbeiführen.

Für jeden Erfolg erhalten die Spieler einen Therapie-Token; über den Verlauf aller Erinnerungen müssen sie eine bestimmte Mindestzahl an Tokens erringen. Gelingt ihnen dies, können sie im Epilog des Spiels beschreiben wie sich das Leben des Kindes zum Positiven verändert hat. Für zusätzliche Tokens können sie sogar Szenen beschreiben, in denen das Kind seinerseits in positiver Weise auf das Leben anderer Menschen eingewirkt hat. Fehlen jedoch am Ende Tokens bedeutet das nicht, dass die Professionals in ihrer Aufgabe gescheitert sind. Es werden dann allerdings Szenen beschrieben, die zusätzliche Probleme oder unerfüllte Träume des Kindes darstellen.

Respektvoller Umgang mit schwierigen Themen

One Child’s Heart setzt sich mit ernsten Themen auseinander, die uns im echten Leben häufig persönlich berühren. Kinder werden als besonders verletzlich und schutzbedürftig empfunden und viele der Situationen, in denen sie sich im Spiel befinden, verlangen eine angemessene Darstellung im Spiel.

Dessen sind sich auch Autor Camdon Wright und das Team hinter One Child’s Heart bewusst. Das Spiel rückt nicht die traumatischen Erlebnisse der Kinder selbst in den Mittelpunkt und stellt die entsprechenden Situationen nicht in schockierender Weise zur Schau. Camdon schreibt:

This is not a game about trauma or an invitation to tragedy tourism. One Child’s Heart is intended to be an empathy-building experience with a message of hope and human connection. It’s a game where the characters’ only goal is to support and love an imaginary child who is struggling with their life circumstances.

Camdon Wright, One Child’s Heart Kickstarter-Seite

Im Mittelpunkt steht die Empathie, die die Spielercharaktere dem Kind entgegen bringen. Es geht um ihre Bemühungen, in schwierigen Situationen zwischenmenschliche Verbindungen zu einer hilfsbedürftigen Person aufzubauen und ihr zu neuer Hoffnung zu verhelfen. Dadurch soll das Spielerlebnis als Ganzes Empathiemepfinden fördern und eine Nachricht von Hoffnung und menschlichem Zusammenhalt übermitteln.

Solche Spielinhalte sind definitiv nicht für jeden geeignet, weder von der Thematik insgesamt her, noch auf spezifische Inhalte einzelner Erinnerungssequenzen bezogen. Daher werden die Memories, also die Szenarien, die One Child’s Heart mitliefert, mit sorgfältig formulierten Hinweisen auf Themen versehen, die persönliche Trigger für Spieler sein können. So erfährt man bereits vor dem Spiel, worauf man sich emotional einstellen kann, und hat die Möglichkeit, problematische Themen rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.

Kickstarter und weitere Hinweise

Die Kickstarter-Kampagne für One Child’s Heart läuft bereits seit Mitte April. Das Projekt ist bereits voll finanziert und hat schon etliche Stretch Goals erreicht. Diese beinhalten vor allem zusätzliche Sets aus Memories von weiteren Rollenspiel-Autorinnen und Autoren, aber auch eine Variante mit nur einem Spieler und einem Spielleiter.

Erhältlich sind dabei die reine PDF-Variante, das Spiel in gedruckter Form, ein Zusatzpaket mit 3 Würfeln und 20 Tokens sowie das Komplettpaket, das noch ein Kartendeck mit allen Memories enthalten wird. Die Kampagne läuft noch bis zum 14. Mai, also noch gut 6 Tage.

Um einen besseren Eindruck davon zu vermitteln, was One Child’s Heart genau ist und wie es sich spielt, stellt das Team um Camdon Wright mehrere Actual-Play-Aufnahmen zur Verfügung.

Eine Aufnahme ist auf Soundcloud verfügbar. Außerdem hat das OneShot Network One Child’s Heart gespielt (Teil 1 und Teil 2), ebenso die Podcasts She’s A Super Geek (Teil 1 und Teil 2) und Party of One (hier in der Variante mit nur einem Spieler). Autor Camdon Wright nimmt persönlich an allen Spielrunden teil und erklärt das Spiel umfassend.

One Child’s Heart stellt ein ungewöhnliches Rollenspiel dar, das sich auf sehr persönliche Weise mit tiefgründigen sozialen und emotionalen Themen auseinandersetzt.

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