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Rezension: Splittermond – Banden & Orden

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Lesezeit: 4 Minuten

Alle für einen und einer für alle: Viele Abenteurer in Splittermond wissen, dass sie alleine wenig bewirken können. Sie suchen daher die Gemeinschaft mit anderen außergewöhnlichen Reisenden. Doch auch außerhalb der Abenteuergruppen tun sich die Bewohner des Kontinents Lorakis zusammen, um Ziele zu erreichen, die sie alleine nicht bewältigen könnten. Im neuen Quellenband von Splittermond, Banden & Orden – Lorakische Organisationen, werden insgesamt 30 Organisationen beschrieben, die die unterschiedlichsten Ziele auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen erreichen wollen.

Wettstreitende Assassinen, magische Ermittler und friedensstiftende Unterhändler

Die Organisationen im Band decken dabei ein breites Spektrum an moralischen Einstellungen, Sichtweisen und Hierarchien ab. Manche arbeiten auf der Seite des Gesetzes, andere dagegen, manche sind besonders ehrenvoll, andere wiederum arbeiten verdeckt.

Zum Beispiel Carans Assassinen: Bei ihnen geht es darum, ihren zwielichtigen Gott und ihre Glaubensgenossen mit ihren Fähigkeiten als Attentäter zu beeindrucken. Dabei gibt es durchaus Regeln, doch diese Organisation ist ein Beispiel dafür, dass viele Organisationen keineswegs eine straffe Struktur haben müssen. Und so gibt es bei den Assassinen manche, die allein für Geld töten, während andere die Herausforderung suchen. Und schließlich lassen sich einige wenige auch in die Politik von Selenia verwickeln. Gerade Liebhabern der Reihe Assassin’s Creed dürfte diese Organisation gefallen.

Im Gegensatz dazu arbeiten die Kame Ma Te dafür, in der chaotischen Südseemetropole Siprangu zumindest für etwas Ordnung zu sorgen. Die magischen Ermittler der Perlmuttgarde müssen dabei nicht nur sterbliche Verbrecher, sondern auch gefährliche Feenwesen aufspüren und unschädlich machen. Dafür haben sie weitreichende Befugnisse. Wer zwischen den Zeilen liest, merkt schnell, dass die Vorbilder dieser Ermittler nicht aus Fantasygeschichten stammen. Viel mehr erinnern die in schwarzen Schuppenrüstung gekleideten und magisch begabten Detektive an bekannten Figuren des Cyberpunks wie Rick Deckard oder Motoko Kusanagi.

Wer auf Räuber und Gendarme keine Lust hat, für den könnte die Mediatorengilde eher interessant sein. Diese Organisation arbeitet nicht nur innerhalb des mertalischen Städtebundes, wo sie gegründet wurde, sondern bietet ihre Dienste auch im ganzen Binnenmeerbereich von Lorakis an. Dabei verfolgt die Gilde durchaus hehre Ziele wie die Stiftung von Frieden und den Aufbau von Wohlstand. Nichtsdestotrotz laden die zahlreichen intimen Informationen, die die Gilde erhält, auch zum Missbrauch ein. Doch wer ein Fan von mutigen und wortgewandten Rechtsanwälten wie Rudy Baylor oder Atticus Finch ist, dem sei die Mitgliedschaft in dieser Organisation wärmstens empfohlen.

Ziele, Ränge und Ausbildungen

Die Beiträge zu den 30 Organisationen sind nach einem einheitlichen Muster geschrieben, unterscheiden sich aber teilweise deutlich im Detailgrad oder Schwerpunkt. Generell beginnen alle Beiträge mit einer kurzen Einleitung zu dem Platz und Zweck der Organisation in der Spielwelt. Auf diese folgt dann der kulturelle und geschichtliche Hintergrund der Organisation.

Der nächste Punkt sind Motivation und Ziele der Organisationen. Darüber erhält man schnell einen guten Eindruck, wie man diese im Spiel einsetzen und ausspielen kann. Der Aufbau der Organisation wird im Unterpunkt „Hierarchie und Struktur“ erklärt. Eine kurze Tabelle zeigt, welcher Stufe der Ressource Rang die jeweilige Hierarchieebene entspricht. Rang gehört im System von Splittermond zu den sogenannten optionalen Ressourcen neben „Relikten“, „Kreaturen“, „Gefolge“ oder „Zuflucht“. Ein Spieler kann bei der Charaktererschaffung Punkte in eine Ressource investieren, um seinem Charakter eine besondere Stellung in der Welt zu geben. Somit kann ein Spielercharakter mit Rang 4 in der Kame Ma Te als Unterführer eines Stadtviertels oder einer kleineren Stadt starten.

Die übliche Rekrutierung, Ausbildung und Karriere eines Mitgliedes ist der nächste Punkt der Beschreibung. In deren Anschluss werden zwei bis vier bedeutende Mitglieder als Beispiele aufgeführt, die der Organisation ein Gesicht geben. Dabei wird aber auf konkrete Werte verzichtet, und mehr Fokus auf deren Ziele und Vorgehensweisen gelegt.

Anders sieht es bei den Ressourcen und Mitteln der Organisation aus. Hier werden neben besonderen Ausrüstungsgegenständen, Fahrzeugen oder Artefakten auch Werteschablonen für namenlose NSC der Gruppe geliefert. Im Unterabschnitt „Vorgehen“ wird dann erklärt, wie die Gruppierung ihre Mittel einsetzt, um ihre Ziele zu erreichen.

Die Banden und Orden im Spiel

Zum Schluss erhalten Spielleiter noch einige Beispiele für Verbündete und Feinde der Organisation sowie ein bis zwei kurze Szenariovorschläge. Diese können als Aufhänger für Abenteuer oder sogar größere Kampagnen verwendet werden. Für die Spieler ist hingegen der große blaue Kasten ganz am Ende interessant. Hier geben die Autoren Ratschläge, unter welchen Umständen sich ein Mitglied einer Organisation auf Reise begeben würde oder anderweitig zu einem spielbaren Charakter werden kann.

Zu diesen Vorschlägen gehören auch einige Stichpunkte für die Ausgestaltung: Etwa die übliche Tracht eines Mitglieds, bevorzugte Charaktereigenschaften oder wichtige Fertigkeiten. Es wird auch gezeigt, wie man die Ausbildungsmodule aus dem Grundregelwerk anpassen kann oder in welchen anderen Bänden von Splittermond man schon existierende Anpassungen finden kann.

Fazit: Nützlich, aber nicht notwendig

Wie auch in den vorherigen Spielhilfen von Splittermond wie Ruinen & Paläste, Diener der Götter oder Feinde & Schurken kann man Banden & Orden eher mit einem Lego-Bauset vergleichen. Die Bausteine, die dem Leser hier geliefert werden, kann man so zusammenbauen, wie sie im Buch stehen. Dies ist jedoch kein Muss und wer eigene Ideen für Lorakis hat, erhält mit diesem Band praktische Schablonen, wie er diese passend umsetzen kann.

Das bedeutet natürlich auch, dass der Inhalt des Bandes keineswegs vollständig ist. So erfährt der Leser nicht, wie zum Beispiel etwa die Geheimpolizei in Kintai arbeitet oder wie ein mertalisches Handelshaus funktioniert. Die Organisationen im Buch dienen als stichprobenartige Beispiele, die man für anderen, ähnliche Organisationen als Vorlage verwenden und abändern kann.

Ein anderes Problem ist die Zersplitterung der Hintergrundinformationen. Zum Beispiel sind Informationen zu der Kultur von Zwingard nun über vier Bänder verteilt: Während die generelle Beschreibung der Kultur in Ungebrochen zu finden ist, wurde der Valkyrij-Kult in Diener der Götter und die Magietradition der Skeftamagi in Splittermond – Die Magie beschrieben. Mit Banden & Orden wurden nähere Informationen zu den Druiden und dem Wyrmbann-Orden ausgegliedert. Spielleitern, die einen großen Wert auf Vollständigkeit und Übereinstimmung mit den offiziellen Werken legen, mag dies sauer aufstoßen. Allerdings sind diese Informationen am Ende nicht notwendig, um Splittermond zu spielen!

Der Band ist eine unterhaltsame Lektüre und ein guter Steinbruch für interessante Ideen. Es wurde darauf geachtet, dass für jeden Spielstil etwas mit dabei ist. Doch ich halte diesen Band nicht für einen Pflichtkauf für Splittermond-Fans. Denn er enthält keine Elemente, die das Spiel nachhaltig verändern, nicht einmal neue Zauber, Meisterschaften oder ähnliche optionale Regelanwendungen. Allein die neuen Werte für NSC könnten für den Spielleiter ganz interessant sein, um schnell passende Figuren parat zu haben. Für die Spieler dürften eher die Vorschläge für die Charaktererschaffung hilfreich sein, um ihren Charakteren ein sicheres Standbein in der Welt unter dem Splittermond zu geben.

Banden & Orden - Lorakische Organisationen

29,95 €
8.3

Layout

9.0/10

System

7.5/10

Setting

9.0/10

Preis/Leistung

7.5/10

Pros

  • Großes Spektrum an unterschiedlichen Ideen
  • Liefert Ideen für Szenarios und interessante Charaktere
  • Lässt Freiraum für eigene Ideen

Cons

  • Pure Weltbeschreibung
  • Enthält Inhalte, die mit anderen, nicht kostenlosen Publikationen zusammenhängen
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