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Agon und griechische Helden auf Seefahrt

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Heldentaten, riesige Monster und unsterbliche Götter. Antike Mythologie und Settings treten in letzter Zeit im Rollenspielbereich wieder vermehrt auf. So zum Beispiel Age of Antiquity und die Theros-Spielhilfe für Dungeons & Dragons. Mit der Neuauflage von Agon aus der Feder von John Harper und Sean Nittner kommt ein weiteres System hinzu. Ab jetzt können sich Spieler in Agon mit Monster und Göttern messen. Aber auch gegenseitig werden sie in Wettkampf treten. Das Spiel wurde letztes Jahr bei Evil Hat Productions per Kickstarter finanziert.

Im Schatten des Olymp

Auf dem ersten Blick spiegelt Agon das übliche Bild der griechischen Antike wider: Große Helden, furchtbare Monster und mächtige Götter. Im Spiel schlüpfen die Spieler in die Rolle griechischer Helden. Manche von ihnen sind gewöhnliche Sterbliche, andere sind Nachkommen der Götter selbst. Nach einem langen Kampf befinden sie sich per Schiff auf der Heimreise. Jede Insel, auf der sie landen, bietet allerdings weitere Probleme, die nur Helden bewältigen können. Es liegt an den Helden, den Omen der Götter zu folgen und unversehrt zu Hause anzukommen. Agon zieht also eindeutig Inspiration aus Geschichten wie der Odyssee oder der Argonautensage. Agon bedeutet wörtlich übersetzt aber Wettkampf. Und solche finden sich zu Hauf. Die Helden treten dabei zwar als Team auf, aber der Beste jedes Wettkampfs bekommt Bonus und Privilegien. Dadurch wird Agon zu einem stetigen Wettkampf gegen Widrigkeiten, aber auch zwischen den Spielern.

Agon: Glorreiche Kämpfe und epische Duelle

Mechanisch benutzt Agon ein Würfelpool-System. Immer dabei sind der Namenswürfel und der Würfel der benutzen Domain. Zur Auswahl stehen je nach Handlung Arts & Oration, Blood & Valor, Craft & Reason und Resolve & Spirit. Alle Werte beginnen mit einem W6, können aber im Spiel weiter gesteigert werden. Das Epitheton, sozusagen ein Beiname, wie zum Beispiel der Adleräugige, steuert ebenfalls ein Würfel bei, falls es relevant ist. Weitere Umstände, wie Unterstützung können noch mehr Würfel hinzufügen. Die besten zwei Würfel werden addiert und mit einem Zielwert verglichen. Durch göttlichen Beistand kann das Ergebnis noch zusätzlich verbessert werden. Derjenige, der den besten Wert erreicht hat, ist der Gewinner des Wettstreits und bekommt mehr Erfahrung als die anderen, hier als Glory bezeichnet. Je mehr Glory angesammelt wird, desto schneller erhöht sich der Namenswürfel.

Von Wettkampf zu Wettkampf und Insel zu Insel

In Agon laufen so alle Proben ab. Auch der Kampf enthält keine Regeln für Bewegung, Positionierung oder Ähnliches. Die Helden können immerhin auch tage- oder wochenlang kämpfen oder im musikalischen Wettstreit liegen. Stattdessen werden große Konflikte in drei Phasen abgehandelt. Die Helden versuchen die Oberhand zu gewinnen und gleichzeitig Gefahren, wie das Ableben ihrer Verbündeten, zu verhindern. Am Ende stellt sich heraus, wer den Wettkampf gewinnt und was mit dem Verlierer passiert. Spieler haben so kreative Freiheiten in ihrer Herangehensweise. Auch eine flammende Rede, die Menschen zum Kampf anfeuert, kann genauso tödlich sein, wie ein kämpfender Berserker.

Die Spieler ziehen so von Wettkampf zu Wettkampf und von Insel zu Insel. Zu Beginn jeder Insel erhält der Anführer der Gruppe göttliche Omen, die sie interpretieren müssen. Am Ende, meist nach einem abschließenden Kampf oder Wettstreit, stellt sich heraus, ob sie die Götter milde gestimmt oder entzürnt haben. Der Götterzorn kann das Leben der Helden auf der nächsten Insel ganz schön schwer machen. Zwischen den Inseln werden von den Helden Tugenden verteilt und Trophäen und große Taten aufgeschrieben. So schreibt sich die Legende der Helden, die am Ende des Spiels vorgetragen wird, von selbst. Agon bietet also auch viele Möglichkeiten die Entwicklung der Helden selbst in den Spielmittelpunkt zu stellen.

Spielbericht: Die Schlange von Nimos

Meine Demo-Runde Agon spielt auf der Insel Nimos. Die Heldengruppe ist auf ihrem Schiff unterwegs und gerät in einem Sturm. Sie unterstützen ihre Mannschaft, doch die redegwandte Medea, Tochter des Aietes, schafft es durch eine leidenschaftliche Rede die Leute anzufeuern. Sie soll die Anführerin für die nächste Insel sein. Das Omen Apollos spricht von einer Fackel des Wissens im Dunkel, das der Artemis von einer giftigen, geköpften Schlange. Auf Nimos selbst geraten die Helden in eine Trauerfeier: Der Prinz von Nimos ist gestorben. Doch Königin Naia und der Asklepios-Priester Harkon verbieten den Helden den Leichnam einzusehen. Nachdem der fast-unverwundbare Achilles, Sohn des Apollo, die traditionellen Kämpfe in der Arena gewinnen kann, müssen sie aber nachgeben.

Nach und nach decken die Helden einen geheimen Kult auf. Die Asklepios-Priester pflegen unter dem Tempel der Akropolis eine riesige Schlange. Aus dem Gift fertigen sie hilfreiche Elixiere und Alchemika, unter anderem das Elixier der Unsterblichkeit, das den Prinzen getötet hat. Zusammen mit der wissbegierigen Priesterin Thessia stellen sie sich der Schlange und dem Kult. Im Kampf verlieren sie nicht nur Thessia und viele Stadtbewohner, sondern auch ihren Ruf. Der Kult und die Königin verbreiten Lügen über die Helden. Am Ende flieht die Schlange und die Helden werden verbannt und müssen weiterziehen.

So ziehen die Helden weiter zur nächsten Insel. Das Schicksal der Insel ist nicht sehr rosig: Der Kult und die Schlange haben überlebt, viele Leute sind umgekommen und es können keine Elixiere und Medizin mehr hergestellt werden. Dadurch haben sie Apollo entzürnt, der sie bald bestrafen wird. Artemis zeigt sich auch nicht zufrieden. Immerhin haben sie es nicht einmal geschafft, die Schlange zu töten! In weiteren Runden Agon hätten die Aktivitäten auf Nimos also einige Konsequenzen.

Mein Fazit zu Agon

Agon vermittelt Charakteristika von griechischen Heldensagen sehr gut. Eigenheiten antiker griechischer Kultur und Heldensagen, wie Epithetoi oder Handlungsmotive vermitteln die passende Atmosphäre. Die Wettstreit-Regeln spornen Spieler an, immer besser als die anderen zu sein. Durch die universell ausgelegten Regeln werden auch kreative Ansätze, wie musikalische Wettkämpfe oder Rededuelle unterstützt. Das Würfelsystem ist allerdings ungewohnt. Meine Spieler haben sich auch beschwert, es wäre etwas undurchsichtig. Auf jeden Fall kann man Wahrscheinlichkeiten nicht so leicht einschätzen wie bei anderen klassischeren Systemen. Allgemein ist Agon aber definitiv einen Blick wert. Und auch eine gute Möglichkeit, das eigene Interesse und Wissen ins Rollenspiel einzubauen.

Jenseits des kulturellen Tellerrands

Wer mit griechischer Mythologie nicht so viel anfangen kann, muss auf Agon nicht verzichten: Das Buch greift neue Spielleiter und Neulinge der griechischer Antike mit ausführlichen Kapiteln und Referenzen unter die Arme. Und wer der altgriechischen Kultur gar nichts abgewinnen kann, wird auch nicht vergessen. Das Kapitel Beyond Greece bietet die Möglichkeit, andere Götterkreise im Spiel zu benutzen. Auch das ägyptische Pantheon bietet sich an, ebenso wie mesopotamische oder indische Gottheiten. Das Buch bietet außerdem 12 beschriebene Inseln und einen Werkzeugkasten, um selbst Inseln und Figuren zu erstellen. Dadurch sollte niemandem das Material ausgehen. Wer neugierig geworden ist, kann das PDF für 15 $ kaufen.

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